Es gibt Nächte, in denen sich lohnt, den Wecker zu stellen. Der 28. August 2026 ist so eine Nacht: Der Mond wandert fast vollständig in den Erdschatten, eine der tiefsten partiellen Mondfinsternisse der kommenden Jahre. Fast 97 Prozent seiner Oberfläche verschwinden im Kernschatten, nur ein schmaler heller Rand bleibt übrig. Kein Wunder, dass viele das als Startschuss nehmen, sich überhaupt mal näher mit Astrofotografie zu beschäftigen.
Und damit du diese Momente auch wirklich festhalten kannst, haben wir hier die wichtigsten Tipps für dich zusammengestellt – von der Finsternis über die Milchstraße bis zu Sternspuren.
Die Mondfinsternis am 28. August – was du wissen musst
In Deutschland beginnt die sichtbare, partielle Phase in den frühen Morgenstunden, das Maximum liegt gegen 6:13 Uhr MESZ. Das bedeutet: Der Mond steht zu dieser Zeit schon recht tief im Westen, während im Osten bereits die Dämmerung einsetzt. Praktisch heißt das für dich:
- Standort mit freiem Blick nach Westen suchen: Bäume, Gebäude oder Hügel am Horizont nehmen dir sonst die letzten, spannendsten Minuten.
- Früh raus. Die stärkste Verfinsterung ist am eindrucksvollsten, wenn du schon vorher am Standort bist und dich eingerichtet hast.
- Dämmerung als Teil des Bildes einplanen, statt sie als Störfaktor zu sehen. Ein leicht aufhellender Himmel im Hintergrund kann dem Foto sogar mehr Tiefe geben als ein komplett schwarzer Nachthimmel.

Equipment für die Finsternis
Für den Mond selbst brauchst du vor allem eine große Brennweite – klassischerweise ein Teleobjektiv. Für den Kontext drumherum (Landschaft, Horizont, Stimmung) lohnt sich zusätzlich eine lichtstarke Festbrennweite im Weitwinkel- oder Normalbereich, mit der du auch bei wenig Licht noch saubere Aufnahmen bekommst. Wichtig in jedem Fall: ein stabiles Stativ. Bei Belichtungszeiten von mehreren Sekunden bis hin zu Live-View-Fokussierung im Dunkeln ist ein ruhiger Stand keine Option, sondern Voraussetzung.
Die 500er-Regel: dein Werkzeug gegen Strichspuren
Sobald Sterne mit ins Bild sollen, stellt sich eine Frage: Wie lange darfst du belichten, bevor die Sterne nicht mehr als Punkte, sondern als Striche erscheinen? Die Erde dreht sich schließlich weiter, während der Verschluss offen ist.
Genau hier hilft die 500er-Regel: 500 geteilt durch die Brennweite deines Objektivs (bei Vollformat) ergibt die maximale Verschlusszeit in Sekunden, bei der Sterne noch punktförmig bleiben. Ein Beispiel: Bei 24 Millimeter Brennweite sind das rund 20 Sekunden, bei 35 Millimeter noch etwa 14 Sekunden. Je kürzer die Brennweite, desto länger darfst du belichten – ein weiterer Grund, warum Weitwinkel bei Nachthimmel-Aufnahmen so beliebt ist.
Diese "Regel" ist eine Faustformel, keine Garantie. Bei sehr hochauflösenden Sensoren lohnt es sich, noch etwas konservativer zu rechnen. Die NPF-Regel bezieht neben der Brennweite auch Blende und Pixelgröße deines Sensors mit ein und liefert dadurch eine präzisere, meist etwas kürzere Verschlusszeit. Hierfür findest du online spezielle NPF-Rechner. Für den Einstieg kannst du erstmal die 500er-Regel nutzen.
Die Milchstraße einfangen
Ende August ist noch ein gutes Zeitfenster für die Milchstraße. Sie steht in den frühen Nachtstunden noch gut sichtbar über dem Horizont, bevor sie im Herbst zunehmend tagsüber steht. Drei Dinge entscheiden über ein gutes Milchstraßen-Foto:
- Dunkelheit. Je weiter weg von künstlichem Licht, desto kontrastreicher das Band der Milchstraße. Mondlose Nächte – oder Nächte kurz vor/nach Neumond – sind ideal.
- Offene Blende, hoher ISO. F/1.8 oder offener, ISO zwischen 1600 und 6400, Belichtungszeit nach der 500er-Regel. RAW-Format nicht vergessen, die Nachbearbeitung macht hier viel aus.
- Ein Vordergrund mit Bezug. Ein Baum, ein Berg, eine Person, die Milchstraße alleine wirkt schnell beliebig. Mit einem greifbaren Element im Vordergrund wird aus der Aufnahme eine Geschichte statt nur ein Datenblatt vom Himmel.
Falls du an Standorten mit Lichtverschmutzung unterwegs bist – was in Deutschland schnell der Fall ist – kann ein Astroklar-Filter helfen, den orangefarbenen Schleier künstlicher Lichtquellen im Bild zu reduzieren, ohne dass du dafür einen abgelegenen Ort suchen musst.

Weitere Astro-Formen, die sich lohnen
Wenn du an diesem Punkt Lust auf mehr bekommen hast, hier drei Richtungen zum Weitermachen:
Sternspuren (Star Trails): Statt eine Aufnahme, machst du über ein bis zwei Stunden hunderte Einzelbilder im Intervall und setzt sie später am Rechner zu kreisförmigen Spuren um den Polarstern zusammen. Braucht Geduld, aber kaum zusätzliches Equipment gegenüber dem, was du für die Mondfinsternis oder die Milchstraße schon aufgebaut hast.
Zeitraffer der Nacht: Ähnliches Prinzip, anderes Ergebnis – aus den Intervallaufnahmen wird ein Video statt eines Einzelbilds. Besonders spannend, wenn Wolken oder Nebel durchs Bild ziehen.
Planeten und Deep-Sky-Objekte: Der nächste Schritt für alle, die tiefer einsteigen wollen. Braucht in der Regel mehr Brennweite und oft eine Nachführung, ist aber der logische Ausbau, wenn dich das Thema packt.
Für alle drei gilt: Ein Fernauslöser ist Gold wert. Er verhindert, dass du beim Auslösen selbst kleinste Erschütterungen ins Bild bringst. Bei Belichtungszeiten von mehreren Sekunden bis Stunden ein Unterschied, den man sofort sieht.
Eine Nacht, zwei Ebenen
Die Mondfinsternis am 28. August ist ein guter Anlass, aber sie ist nur der Anfang. Wer einmal mit Stativ, offener Blende und der 500er-Regel im Kopf draußen stand, merkt schnell: Der Nachthimmel bietet das ganze Jahr über Motive – man muss nur wissen, wonach man Ausschau hält.
Ob Mondfinsternis, Milchstraße oder Sternspuren: Der Moment am Himmel ist einzigartig, aber er lässt sich festhalten, wenn die Ausrüstung bereitsteht. Genau das macht aus einer schönen Nacht ein Bild, das bleibt.
Wir sind gespannt, was du aus dieser Nacht mitbringst – ob Mondfinsternis, Milchstraße oder dein erster Versuch mit Sternspuren. Zeig uns deine Aufnahmen unter #rolleimoments und markiere @rollei_de.




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