Es gibt diese Momente, in denen du deine Kamera in die Hand nimmst und nicht weißt, was die nächste Aufnahme sein könnte. Nicht, weil dir das Können fehlt – sondern die Idee. Genau da helfen Challenges: kleine Aufgaben, die dir eine Richtung geben, ohne das Ergebnis vorzuschreiben.

Wir haben zwölf davon zusammengestellt – eine für jeden Monat, sortiert nach fünf Kategorien. Sie richten sich an alle: an Fotografierende genauso wie an Videografen und Content Creator. Für manche brauchst du nur eine Stunde, andere begleiten dich einen ganzen Monat. Alle haben ein Ziel: dass du wieder mit Freude auf den Auslöser drückst.

So funktionieren die Challenges

Fünf Kategorien, zwölf Aufgaben, ein Jahr. Wir haben die Challenges den Monaten so zugeordnet, dass sie zur Jahreszeit passen. Nebel im November, Schnee im Januar, goldene Stunde im September. Aber die Reihenfolge ist kein Muss. Wenn dir eine Challenge aus dem März im Juli besser gefällt, mach sie jetzt.

Kategorie 1: Lichtspiele

Licht ist das Rohmaterial der Fotografie und Videografie. Diese Challenges zwingen dich, Licht bewusst zu suchen – statt es nur zu nehmen, wie es kommt.

Juli – Schattenspiele des Alltags

Fotografiere einen alltäglichen Gegenstand nur durch seinen Schatten. Der Gegenstand selbst darf nicht direkt im Bild erscheinen. Fahrradlenker, Kaffeetasse, Hand – der Schatten erzählt.

August – Reflexionen als Motiv

Suche eine Woche lang Motive, die nur als Spiegelung existieren. Pfützen nach dem Regen, Fensterscheiben, polierte Motorhauben, Sonnenbrillengläser. Die eigentliche Welt bleibt außen vor – nur die Reflexion zählt.

Dezember – Eine einzige Lichtquelle

Fotografiere ausschließlich mit einer Lichtquelle. Kerze, Handy-Taschenlampe, Straßenlaterne, Kaminfeuer. Kein Blitz, kein Fülllicht. Die Dunkelheit wird zum Gestaltungsmittel.

Kategorie 2: Perspektiven & Komposition

Perspektive ist die einfachste Zutat für ein Bild, das anders aussieht als tausend andere. Hier lernst du, ungewohnte Blickwinkel zu suchen.

September – Nur Details in der goldenen Stunde

Fotografiere im ersten Licht des Tages ausschließlich Details, keine ganzen Szenen. Was macht warmes Licht mit einer Türklinke, einem Blatt, einer Hand? Der Blick reduziert sich – und wird dadurch schärfer.

Mai – Der Gegenstand wird zur Hauptfigur

Wähl einen alltäglichen Gegenstand (Löffel, Buch, Brille) und inszeniere ihn so, dass er die Hauptfigur wird. Perspektive, Skala und Kontext entscheiden, nicht der Gegenstand selbst. Eine Gabel kann monumental wirken, wenn du sie richtig fotografierst.

Kategorie 3: Requisiten & Alltag

Die stärksten Motive liegen oft direkt vor der Haustür. Diese Challenges holen die Kreativität aus der Fremde in den eigenen Alltag zurück.

Oktober – Eine Farbe, eine Woche

Wähl eine Farbe. Herbst-Orange, tiefes Blau, sanftes Grün. Fotografiere eine Woche lang nur Motive in dieser Farbe. Am Ende der Woche wählst du die zehn stärksten Bilder als Serie aus. Das Auge sortiert plötzlich anders.

März – Der Wandel in einem Objekt

Wähl ein einziges Objekt, das den Übergang von Winter zu Frühling zeigt. Ganz egal, ob eine Blüte, ein Zweig, ein Blick aus dem Küchenfenster. Fotografiere es alle drei Tage im selben Ausschnitt. Am Monatsende hast du eine Serie, die Zeit sichtbar macht.

Kategorie 4: Selbstporträt & Menschen

Menschen sind die schwierigsten Motive – und die dankbarsten. Wer sich selbst fotografieren lernt, fotografiert andere anders.

Februar – Selbstporträt ohne Gesicht

Zeig dich, ohne dein Gesicht zu zeigen. Hände, Schatten, Silhouetten, Reflexionen, dein Schreibtisch, dein Regal, dein Frühstück. Wer bist du, wenn niemand dich direkt sieht? Diese Challenge ist ehrlicher, als sie klingt.

Juni – Menschen in Bewegung

Passanten, Radfahrer, Läufer. Zwei Techniken zur Wahl: Panning (Kamera zieht mit dem Motiv mit, Hintergrund verwischt) oder Long Exposure (Motiv verwischt, Umgebung scharf). Bewegung wird sichtbar.

Kategorie 5: Bewegung & Zeit

Fotografie friert normalerweise einen Moment ein. Diese Challenges brechen mit dieser Konvention – und machen Zeit selbst zum Motiv.

Januar – Schneeflocken im Flug

Frier fallende Flocken mit sehr kurzer Verschlusszeit ein (1/1000 s oder kürzer), oder lass sie mit langer Verschlusszeit zu Linien werden. Beides funktioniert – die Frage ist, welche Sicht auf den Winter dir näher ist.

April – Regen als Motiv

Regen ist kein Feind der Fotografie, sondern eine Einladung. Regentropfen auf Fensterscheiben in Nahaufnahme, Passanten mit Schirmen im Gegenlicht, Reflexionen in Pfützen. Diese Challenge liebt Aprilwetter – nutze es.

November – Nebel und Silhouetten

Die Novemberstimmung, die viele deprimiert, ist fotografisch pures Gold. Menschen, Bäume, Häuser reduziert auf Silhouetten im Nebel oder Gegenlicht. Weniger sehen, mehr fühlen.

Wie du am meisten aus den Challenges rausholst

Ein paar Prinzipien, die für alle zwölf gelten:

  • Setz dir ein Zeitfenster. Eine Stunde reicht oft. Wer sich einen Nachmittag frei macht, findet meist mehr, als er erwartet hat.

  • Zeig auch die Bilder, die nicht funktioniert haben. Fehlversuche sind Teil des Prozesses und oft ehrlicher als die perfekten Aufnahmen.

  • Vergleich dich nicht mit anderen. Die Challenge ist gegen dich selbst.

  • Wiederhole. Wenn dir eine Challenge liegt, mach sie im nächsten Jahr nochmal. Du wirst erstaunt sein, wie anders du sie beim zweiten Mal siehst.

Mach mit

Jede Challenge lebt davon, dass Menschen sie umsetzen. Wir wollen sehen, was ihr aus den Aufgaben macht. Teile deine Ergebnisse gerne auf der Plattform deiner Wahl unter #rolleimoments – wir schauen bei jedem Post immer gerne rein.

Es geht nicht um perfekte Aufnahmen. Es geht darum, dass du zwölfmal im Jahr einen Grund hast, deine Kamera in die Hand zu nehmen – und dabei jedes Mal etwas Neues siehst.