Schwarz-Weiß-Fotografie in Venedig: Ein Bericht von Sascha Hüttenhain

von Aug 14, 2019Städte0 Kommentare

Für Profi-Fotograf Sascha Hüttenhain ist Venedig ein Foto-Ziel, das er schon lange auf dem Zettel hatte. Vor einiger Zeit hat er die Stadt in der Lagune besucht – und dabei atemberaubende Fotos in Schwarzweiß gemacht.

Motiv: Chiesa di San Giorgio Maggiore

Stadt: Venedig

V

Filter: ND2000 Graufilter und GND8 Soft Grauverlaufsfilter

Belichtungszeit: 1m 30s bei Blende 11

Kamera: Canon 1Dx Mark II

Objektiv: Canon 16-35/2.8L

Venedig, die Lagunenstadt im Norden Italiens, stand schon lange auf meiner Wunschliste der Städte, die ich in Europa bereisen und fotografisch erkunden wollte.

Der Reiz dieser Stadt besteht in ihrer ganz speziellen Erscheinung, was uns Fotografen eine traumhafte Kulisse zum Erschaffen von außergewöhnlichen Fotomotiven eröffnet.

Sie ist gut zu erreichen und bietet dabei eine große Anzahl an Sehenswürdigkeiten, Locations und Hotspots, die alle ihren eigenen Reiz haben.

In dieser Stadt scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Sie birgt Fotomotive in Hülle und Fülle und das auf besonders kleinem Raum mit insgesamt kurzen Wegen.

Die wasserumspülten Paläste entlang der großen Kanäle sehen so unwirklich glänzend und zugleich marode aus, dass sie auch einem surrealen Film entstammen könnten.

Schwarzweiß-Fotos des historischen Zentrums mit Stativ und ND-Filter

Passend dazu habe ich meine Bilder in Schwarz-Weiß aufgenommen.

An der Schwarz-Weiß-Fotografie mag ich besonders die Kontraste und feinen Grautöne.

Auch sind für mich monochrome Bilder mit wenigen Elementen meist die spannenderen.

So wichtig wie Aufnahme und Bildausschnitt sind natürlich auch ein interessanter Bildaufbau und die Gestaltung des Bildes.

In meiner Ausrüstung habe ich auch immer starke ND-Filter (z.B. ND2000) mit dabei, um lange Verschlusszeiten (Langzeitbelichtungen) möglich zu machen.

Bei dieser Art der Fotografie hat man auch die Möglichkeit, Motive und Orte ein wenig anders aussehen zu lassen als sie tatsächlich sind.

Durch Langzeitbelichtungen erschafft man eine andere Welt, was Projekte wie das in Venedig noch interessanter macht.

Ich empfinde die Aufnahmen dadurch als noch zeitloser.

Sie werden aufs Wesentliche reduziert und es ergeben sich andere Sichtweisen als vorher.

Je nach Bild lenken Fotos in Farbe für mich ein bisschen zu sehr ab, was die Wirkung verändert.

Motiv: Wasserstraße Campo Santo

Stadt: Venedig

V

Filter: ND2000 Graufilter

Belichtungszeit: 35s bei Blende 8

Kamera: Canon 1Dx Mark II

Objektiv: Canon 16-35/2.8L

Gegen Ende des Jahres ist es ruhiger in der Stadt

In der ruhigen Zeit gegen Ende des Jahres, zu der ich die Stadt bereist habe, hat sie mich gut arbeiten lassen.

Der Massentourismus zu den Sehenswürdigkeiten wie dem Dogenpalast, dem Markusplatz oder der Rialtobrücke bleibt dann eher aus und es geht dort ruhiger zu, sodass man sich schneller von Punkt zu Punkt bewegen kann.

 Eine ideale Grundlage für außergewöhnliche Aufnahmen.

Hin und wieder zeigte sich das Wetter von seiner eher trüben Seite, sodass Nebel und leichter Nieselregen meine Begleiter waren.

Das hat mich aber nicht davon abgehalten, schon früh morgens mit meiner Kamera durch die Stadt zu ziehen und die ersten Bilder zu machen.

Das Positive am Nieselregen

Ein großer Vorteil des Nieselregens war, dass sich dadurch nicht besonders viele Menschen auf den bekannten Plätzen aufhielten und ich auf diese Weise einige Motive an Orten aufnehmen konnte, die sonst sehr überlaufen oder wenigstens gut gefüllt sind.

Wenn sich das schlechte Wetter aufgelockert hat, habe ich meine ersten Ergebnisse in einem der zahlreichen Cafés begutachtet.

Mit meiner ersten Ausbeute, die ich innerhalb weniger Stunden aufnehmen konnte, war ich sehr zufrieden.

Mein Rollei Lion Rock Stativ und auch die unterschiedlichen Graufilter, die ich mit dabeihatte, haben einen großartigen Job gemacht.

Sehr positiv fand ich das Handling des Filterhalters.

Man hat ihn sehr schnell zusammengesetzt und genauso schnell auch wieder in der Fototasche verstaut, sodass man sich nicht lange damit aufhalten muss.

Scirocco fordert gute Vorbereitung

Neben dem Nieselregen hatte Venedig noch eine weitere Herausforderung für mich vorbereitet – Aqua Alta.

Ein Hochwasser, das gegen Ende des Jahres durch den Wüstenwind Scirocco verursacht wird, einen Teil der Stadt flutet und sie damit teils schwer passierbar macht.

Glücklicherweise hatte ich mich bereits darauf vorbereitet und für meinen Trip nach Venedig Stiefel eingepackt.

Lange hatte ich vorher überlegt, ob ich sie mitnehmen soll und mich letztlich dafür entschieden – was sich im Nachhinein als goldrichtig erwiesen hat.

Motiv: Rialto Brücke

Stadt: Venedig

V

Filter: ND64 Graufilter + ND2000 Graufilter

Belichtungszeit: 8m 44s bei Blende 13

Kamera: Canon 1Dx Mark II

Objektiv: Canon 16-35/2.8L

Warum Carbon-Stative ein riesiger Vorteil sind

Während der Überschwemmung war für einige Stunden kaum etwas los, bis das Wasser abgeflossen war. Als langsam wieder der Trubel einsetzte, hatte ich meine Aufnahmen im Kasten und konnte weiterziehen.

Viele Punkte habe ich dabei zu Fuß zurückgelegt – weshalb das leichte, aber dennoch enorm stabile Lion Rock Carbon-Stativ wirklich Gold wert ist. Denn damit lernt man seine Ausrüstung ganz anders zu schätzen und ist glücklich über die Gewichtsersparnis.

Gegen Ende meines Aufenthalts in Venedig war das Wetter zwar trocken, der Himmel aber wolkenverhangen. Offenbar Grund genug für viele Touristen, sich an diesem Tag auf Wanderschaft zu begeben. An dem besagten Morgen wollte ich unbedingt noch die Rialto Brücke fotografieren.

Leider hielt ich mich vorher etwas zu lange an der Basilica San Giorgio Maggiore auf, sodass ich recht spät an der Brücke war. Warum auch immer zog es auch dort an dem Morgen jede Menge Menschen hin.

Motiv: Blick aus der Innenstadt auf San Giorgio Maggiore

Stadt: Venedig

V

Filter: ND2000 Graufilter

Belichtungszeit: 1m 25s bei Blende 11

Kamera: Canon 1Dx Mark II

Objektiv: Canon 24-70/2.8L

Lange Belichtungszeiten durch ND-Filter

Glücklicherweise hatte ich den ND2000 Filter dabei, den ich mit einem weiteren Filter kombinierte, sodass ich bei meinen Langzeitbelichtungen auf eine Belichtungszeit von knapp 10 Minuten kommen konnte.

Das war nötig, um mein Motiv menschenleer aussehen zu lassen. Die Blicke der Passanten sind zwar äußerst fragend, wenn man so eine lange Zeit an nur einer Stelle steht, aber das war mir egal, denn das Bild hatte ich mit dieser Belichtungszeit genauso eingefangen, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Mit jeder Menge unterschiedlicher und interessanter Motive, abwechslungsreichem, aber trotzdem passendem Wetter schloss ich das Projekt in dieser Stadt vorerst ab, aber ich weiß, dass ich in Zukunft wieder dorthin reisen möchte, um es weiterzuführen.

Meine Ausrüstung an starken Graufiltern von Rollei und das Lion Rock 30 werden dann auf jeden Fall wieder mit dabei sein.

Welche Filter nutzt man für Schwarz-Weiß-Fotos?

Die Schwarz-Weiß-Fotografie lebt von Kontrasten, die man mit dem Einsatz von unterschiedlichen Filtern je nach Geschmack variieren und gestalten kann, wie man sie mag.

Möglichkeiten gibt es dabei viele, sodass ich den Einsatz nicht auf einen einzelnen Filter beschränken würde.

Rotfilter sind beispielsweise besonders für Bilder mit Wolken interessant, da der blaue Himmel dadurch dunkler und dramatischer erscheint.

Auch Gelbfilter eignen sich sehr gut, um den Kontrast im genannten Bereich zu verstärken.

Insgesamt sollte man den Einsatz von Farbfiltern von ihrem jeweiligen Verwendungsbereich abhängig machen, weil beispielsweise nicht alles im Portraitbereich gut aussieht, was bei Landschaftsfotografie noch funktioniert hat.

Ich persönlich arbeite kaum mit Farbfiltern direkt vor der Optik.

Zu analogen Zeiten war das Gang und Gäbe, im digitalen Zeitalter kann man diese Effekte aber mit einem guten Bildbearbeitungsprogramm recht schnell und einfach nachbauen.

Motiv: Brücke Nähe S. Basio

Stadt: Venedig

V

Filter: ND2000 Graufilter

Belichtungszeit: 60s bei Blende 11

Kamera: Canon 1Dx Mark II

Objektiv: Canon 16-35/2.8L

Monochrom-Funktion nutzen? Oder doch lieber die RAW-Datei?

Ich persönlich nutze die Monochrom-Funktion gelegentlich als Vorschau-Möglichkeit. Damit bekommt man einen ersten Eindruck, wie das Foto anschließend wirken wird.

Insgesamt würde ich aber jedem Fotografen eher die Aufnahme im RAW-Modus empfehlen, da man damit den größten Spielraum in der späteren Nachbearbeitung hat und nicht schon vorher Bildanteile herausgefiltert werden, die dadurch später fehlen würden.

Packliste für meinen Aufenthalt in Venedig:

Übrigens: Im November 2020 bietet Sascha Hüttenhain einen Foto-Workshop in Venedig an. Hier gibt es mehr Infos.

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Produkte zu diesem Beitrag

F:X Pro Rechteckfilter

Lion Rock Stative

Kabelfernauslöser

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