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Portraitfotografie für Einsteiger: Anleitungen und Tipps von Mario Dirks

Mai 13, 2019 | Portrait

Die Portraitfotografie birgt zwar enormes künstlerisches Potential und nimmt uns im besten Fall innerhalb von Sekundenbruchteilen emotional „gefangen“.

Sie gehört aber zweifellos auch zu den anspruchsvollsten fotografischen Disziplinen. Profifotograf Mario Dirks hat uns seine persönlichen Anleitungen und Tipps zu Zubehör, Einstellungen, Objektiven & mehr verraten.

So gehen auch Einsteiger der Portraitfotografie unnötigen Stolperfallen aus dem Weg und können schon frühzeitig echte Erfolgserlebnisse „einfangen“.

Mario Dirks – Portraitfotograf aus Norderney

Bevor wir uns dem eigentlichen Thema dieses Blogbeitrags zuwenden, ein paar Infos zu unserem Portraitexperten Mario Dirks:

Schon als Sechsjähriger verfiel der geborene Norderneyer dem Charme einer einfachen Lochkamera – und schaffte es, sich bis heute, die Leidenschaft für die Fotografie zu behalten.

1998 wechselte er ans Oldenburgische Staatstheater, schnupperte in diverse künstlerische Bereiche hinein und assistierte den Theaterfotografen Andreas J. Etter und Stefan Walzl.

Sein über die Jahre und in allen Ecken der Welt angesammeltes Know-how und die vielfältigen Erfahrungen in den Bereichen Portrait-, Landschafts-, Architektur-, Blitz- und Studiofotografie gibt er seit 2007 sehr erfolgreich in gut besuchten Seminaren und Workshops weiter – und ermuntert die Teilnehmer, ihren fotografischen Horizont in Metropolen wie New York oder Singapur umfassend und dauerhaft zu erweitern.

Seine Fotosafaris führten ihn u.a. 5 Wochen lang in die klirrende Kälte der Antarktis. Mit der Fotografie von und mit Menschen verbindet der Profi die individuelle Auseinandersetzung mit einer ganz bestimmten und unverwechselbaren Geschichte.

Dabei kann es sich um einen traurigen, aber auch um einen sehr fröhlichen Hintergrund handeln – den er im besten Falle wohlwollend und einfühlsam in seinen Fotos „einfangen“ und für die Ewigkeit festhalten kann.

Um auch Ein- oder Umsteiger für die Portraitfotografie zu begeistern, haben wir Mario Dirks zuerst gefragt, welche Ausrüstung er als absolut notwendig erachtet, um erste Erfahrungen in dieser Disziplin zu sammeln, welche Objektive wann Sinn machen und was für Einstellungen und Settings man kennen sollte, um Portraits abzulichten.

Seine Empfehlungen ermutigen auch „Anfänger“, die nicht über ein Budget vom mehreren Tausend Euro verfügen, sich mit der faszinierenden und enorm vielseitigen Fotografie von Menschen zu beschäftigen.

Welche Ausrüstung wie Objektiv, Stativ und Filter benötigt man als Anfänger oder (Wieder-)Einsteiger, um direkt mit der Portraitfotografie zu starten?

Mario Dirks schließt aus seiner Perspektive kein Kameramodell oder keine Marke kategorisch aus, seiner Meinung nach eignen sich heutzutage eigentlich alle Kameras, die die Möglichkeit anbieten, die drei wichtigsten fotografischen Einflussfaktoren Blende, Verschlusszeit und ISO (Empfindlichkeit) unabhängig voneinander und manuell einzustellen.

Ob Spiegelreflex- oder Systemkamera spielt hier nicht die entscheidende Rolle. Auch gibt es auf die Frage, welche Ausrüstung man für die Portraitfotografie benötigt, so viele Antworten wie Gesichter, die man fotografieren kann.

Der eine benötigt Lichtformer und Studioblitz, der andere zusätzlich noch Stylisten, während für Anfänger eigentlich Kamera, Objektiv und Leidenschaft für den Menschen vor der Linse ausreichen.

Dazu sollte auch noch das Objektiv gewechselt werden können. Ob man sich für ein analoges Modell oder eine moderne Digitalkamera entscheidet, hängt dagegen von den eigenen Präferenzen und Ansprüchen ab. Als Einsteiger profitiert man bei einer DSLR oder DSLM von der Tatsache, dass „vergeigte“ Fotos keine Entwicklungskosten verursachen und die Anzahl der „Übungsbilder“ lediglich von der Kapazität des Speichermediums begrenzt wird.

Zwar macht man mit Gehäusen, die den obigen Kriterien entsprechen, grundsätzlich nichts verkehrt, nach der Erfahrung von Mario Dirks sollte man sogenannte „Kits“, die üblicherweise aus einem „Body“ und einem Zoom-Objektiv mit breitem Brennweiten-Bereich bestehen, außen vorlassen und ein solides Gehäuse mit einer möglichst lichtstarken Festbrennweite kombinieren.

Als Portraitfotograf benötigt man das Zoom-Spektrum eher weniger, die Bildkomposition beeinflusst man, indem man selbst oder der Mensch, den man ablichten möchte, die Position verändert.

Die Zoom-Funktionalität wird bei günstigen Kit-Objektiven normalerweise durch eine deutlich geringere Lichtempfindlichkeit erkauft. 50mm- oder 85mm-Festbrennweiten mit einer maximalen Blendenöffnung von f1.8 erhält man hingegen schon für einen „Straßenpreis“ der bereits im Bereich von 100 bis 150 Euro liegt. Mario Dirks arbeitet am liebsten mit einer Brennweite von 85mm, da er auf diese Weise dem Model einen „Wohlfühl“-Abstand ermöglichen kann.

Grundsätzlich sollte die Brennweite aber über 70mm liegen, um Gesichter möglichst ohne Verzerrung fotografieren zu können. Hierbei sprechen wir natürlich von Einsteigern. Auch mit Brennweiten wie 24mm und 35mm (f/1.4 Festbrennweite) oder 50mm (f/1.8 Festbrennweite) kann man arbeiten, oder auch mit dem gesamten Spektrum zwischen 16mm und 200mm.

Jedoch muss dies mit sehr viel mehr Bedacht gemacht und gezielt eingesetzt werden, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Zweifelsohne gelingen auch mit Superweitwinkel-Objektiven tolle Bilder, denn je weitwinkliger ein Portrait abgelichtet wird, desto näher kommt man als Betrachter dem Gesicht. Verzerrung wird so zum Stilmittel.

Natürlich kann man auch Zoom-Objektive erwerben, die über den gesamten Brennweitenbereich ziemlich lichtstark aufnehmen – muss dafür aber auch ordentlich in die Tasche greifen.

Ausrüstung für die Produktfotografie in der Übersicht

  • Model
  • Kamera
  • Objektiv
  • Faltreflektor
  • Studioblitz
  • Lichtformer (Beauty Dish, Octabox, Striplight & Co.)

Lichtstarke Festbrennweite eignen sich besonders gut für die Portraitfotografie

Mario Dirks nutzt bei seinem 85mm-Festbrennweiten-Lieblingsobjektiv gerne die größtmögliche Blendenöffnung von f1.2, um im Hintergrund des Models ein besonders schönes und stimmungsvolles „Bokeh“ zu erzeugen. Dieser fotografische Fachbegriff bezeichnet die Unschärfe, die sich aufgrund der großen Blendenöffnung schon sehr dicht hinter dem eigentlichen Motiv zeigt – hier spielen die Profis ganz bewusst mit Kontrasten, Lichtern und Verläufen, um ihr Model in einen möglichst spannenden Kontrast oder harmonischen Rahmen zu setzen.

Diese Lichtstärke hat aber auch eine (nicht nur sprichwörtliche) Schattenseite: Je mehr man die Blende öffnet, desto kleiner wird der horizontale Bereich, der wirklich gestochen scharf abgelichtet wird.

Diese „Strecke“ kann im Extremfall lediglich wenige Zentimeter oder sogar Millimeter betragen. Hier arbeiten Profis dann mit Serienauslösungen und Belichtungsreihen, um bei der Sichtung der Ergebnisse keine bösen – unscharfen – Überraschungen erleben zu müssen.

Beleuchtung – die schönsten Portraits gelingen nicht in der prallen Sonne

Neben seiner Profikamera und seinem favorisierten Objektiv hat Mario Dirks normalerweise zwei Ausrüstungsgegenstände dabei, die sich gerade bei sonnigen Outdoor-Shootings als extrem wertvoll für die richtige Belichtung erweisen: eine Displaylupe (Hoodloupe) und einen Abschatter.

Die Displaylupe setzt der erfahrene Fotoprofi auf das Rückdisplay der Kamera, um ohne Seitenlicht und in einer angenehmen Vergrößerung Schärfe und Belichtung besser beurteilen zu können. Der Abschatter kommt dann zum Einsatz, wenn kein Schatten oder Halbschatten in „greifbarer“ Nähe zur Verfügung steht und das Gesicht des Models ansonsten frontal und ohne erkennbare Kontur auf die Speicherkarte gesichert werden würde.

Zudem führt grelles Sonnenlicht oft dazu, dass die Models ihre Augen zukneifen müssen. Mario Dirks geht diesen Erschwernissen daher lieber gleich von Anfang an aus dem Weg und hält nach Locations Ausschau, die unterschiedliche Schatten oder „Lichtdosierungen“ bereithalten.

Ein bedeckter Himmel oder diffuseres Tageslicht, das durch ein Nordfenster auf das Model fällt, erzeugt eine weiche, sensible und nicht selten enorm sinnliche Atmosphäre.

Im Studio „arbeitet“ er dagegen sehr gerne mit direktem und hartem Blitzlicht von vorne die Konturen eines interessanten Männergesichts heraus. Generell ist die Stilfrage „Studio oder Outdoor“ eben genau das – eine Stilfrage.

Viel wichtiger ist es zu verstehen, was genau die Unterschiede sind. Nur so kann man überhaupt lernen zu entscheiden, was einem besser gefällt oder besser zu der jeweiligen Person passt.

Und man braucht nicht unbedingt eigene künstliche Lichtquellen. Ja, man braucht Licht für Portraits. Künstliches Licht oder Blitzlicht? Nicht unbedingt.

Dennoch ist es sehr empfehlenswert, den Umgang mit Blitz, Lichtformern und auch dem Sonnenlicht zu lernen. Nur so kann man wirklich verstehen, wann man auf was verzichten kann und wann nicht.

Ist ein Studioblitz für den Einstieg zu teuer, so sollte man mindestens zu einem Faltreflektor greifen, um z.B. Schatten durch die Spiegelung des Sonnenlichts auszugleichen oder die Ausdruckskraft und Wirkung eines Gesichts deutlich zu verbessern. Hier ist auch die Wahl des Reflektors zu beachten.

  • Goldener Reflektor – wärmeres Licht, weichere Portraits bzw. Gesichtszüge
  • Silber Reflektor – sehr hartes Licht zu 100 % ohne Tönung reflektiert
  • Weißer Reflektor – sehr neutrales Licht, aber nicht so hart wie bei dem silbernen Reflektor

Übrigens: Das Rollei 5-in-1 Faltreflektor Set besteht aus allen verfügbaren Reflektoren und stellt ein super Grundgerüst für angehende Portraitfotografen dar.

Grundregeln der Beleuchtung für Portraits

Dieses Thema kurz und knapp zu beleuchten ist nahezu unmöglich. Deshalb möchten wir uns für die Anfänger auf die wichtigste Belichtungs-Regel und einige Belichtungs-Arten für die Portraitfotografie beschränken.

Regel Nummer 1: Einsteiger in die Portraitfotografie sollten unbedingt die Mittagssonne und ihr sehr, sehr hartes Licht meiden. Es ist erbarmungslos.

Wenn der Fotograf hier nicht geübt im Umgang mit Abschattern, Lichtformern & Co. ist, so wirkt die Mittagssonne definitiv negativ auf die Optik des Models. Auch, wenn es noch so schön ist. Also am Anfang lieber den Morgen oder die späte Nachmittagssonne für das Üben nutzen.

Ebenso gilt, dass die Sonne keineswegs immer im Rücken des Fotografen stehen muss. Mit etwas Übung und Kreativität gelingen aus anderen Winkeln und Perspektiven wunderschöne Portraits mit Gegenlicht. Die hierfür benötigte Geduld und geübte Spotmessung ist allerdings eher etwas für Fortgeschrittene.

Indoor oder Outdoor Portraits? Alles eine Frage des gewünschten Bildstils und der Ausrüstung

Bezüglich der Location pflegt Mario Dirks keine echten Präferenzen, er arbeitet unter freiem Himmel genauso gerne wie im Studio – es hängt seiner Aussage nach ausschließlich vom Ziel, der Aussage oder dem gewünschten Bildstil ab.

Mit dem vorhandenen Tageslicht „schießt“ der Profi dabei besonders gerne, da er sich nicht um die Beleuchtungstechnik kümmern muss. Nichtsdestotrotz nutzt Mario Dirks im Innen- wie im Außenbereich selbstverständlich auch gekonnt Blitzgeräte, um spezielle Bildideen oder -stimmungen zu realisieren oder ganz bestimmte Kontraste oder Akzente zu setzen, für die das Sonnenlicht einfach zu gleichmäßig scheint. Sein bevorzugter Outdoor-Look ist die sogenannte „American Night“, auch als „Day for Night“ bekannt. Hier wird bei eher reduziertem Tageslicht der Blitz von vorne eingesetzt, um den Hintergrund noch weiter abzudunkeln und wie eine Nachtszenerie erscheinen zu lassen. Um bei diesen Vorgaben wirklich völlig unabhängig von Witterungsbedingungen und Stromnetz arbeiten zu können, hat Rollei die mobilen Studioblitze der HS Freeze 4 und HS Freeze 6 entwickelt.

Basic Settings für die Belichtung bei der Portraitfotografie

  • Split Light: hier wird nur eine Hälfte des Gesichts direkt belichtet, während die andere Gesichtshälfte abgeschattet wird. Die Lichtquelle muss dabei ungefähr im 90 Grad Winkel zum Model stehen. Split Light ist sehr dramatisch und kann mit etwas Übung noch weiterentwickelt werden, zum Zangenlicht. Dies erreicht man, indem man das Split Light spiegel-symmetrisch erweitert.
  • Rembrandt Light: ein Klassiker. Die Lichtquelle befindet sich über dem Kopf des Models, wobei diese aber stark versetzt ist. So entsteht eine Art Dreieck aus Licht auf der Wange des Models, die zur Kamera zeigt
  • Butterfly Light: der Name basiert auf dem Schatten unter der Nase des Models, der bei dieser Belichtung entsteht, da er schmetterlingsförmig ist. Sehr beliebt war diese Belichtung für die Portraitfotografie der 30er Jahre in Hollywood. Hier war es auch als sog. Paramount Light Das Setting besteht aus einer Lichtquelle, die im 25 Grad bis 70 Grad Winkel mittig über dem Kopf des Models platziert wird
  • Loop Light: funktioniert im Prinzip wie das Butterfly Light, außer dass die Lichtquelle nicht ganz mittig steht, sondern nach links oder rechts verschoben wird
  • Broad Light: ähnlich dem Rembrandt Light. Allerdings wendet das Model hier das Gesicht von der Lichtquelle ab

Anleitung & Kamera Einstellungen für die Portraitfotografie

  • Die 2/3 Regel – im Bildaufbau der Portraitfotografie greifen viele Fotografen auf die 2/3-Regel zurück – den goldenen Schnitt. Zwei Linien verlaufen hier horizontal über den Bildausschnitt und sind dabei jeweils 1/3 der gesamten Höhe des Bildausschnitts vom oberen oder unteren Bildrand entfernt. Gemeinsam mit zwei identischen nur senkrechten Linien teilt man das Bild so in 9 identische Teile. Markante Objekte bzw. Motive, z.B. das Model bei der Portraitfotografie, werden dann im rechten oder linken Drittel positioniert. Anderes Beispiel: bei einem Sonnenuntergang wäre dann auch die Sonne nicht in der Mitte des Bildausschnitts platziert, sondern auf der oberen oder unteren horizontalen Linie
  • Brennweite ab 70mm: Wenn man mit einem Weitwinkel ein Portrait fotografiert, dann gibt es große Nasen und das ist echt unschön. Außerdem kann man mit größeren Brennweiten auch etwas mehr Abstand zum Model haben, gerade wenn man das Model nicht kennt, ist etwas Distanz zwischen Model und Fotograf ganz gut.Kurze Brennweiten unter 50mm verfälschen Proportionen, können aber auch als Stilmittel eingesetzt werden
  • Das Auge, welches der Kamera am nächste ist, muss scharf sein: Ein etwas schräges Gesicht kann dazu führen, dass nicht beide Augen komplett von der Kamera fokussiert werden. Wir können hier beruhigen: solange das Auge, welches der Kamera am nächsten steht scharf abgelichtet wird, ist das Portrait stimmig
  • Mit offener Blende fotografieren: Ermöglicht kinderleicht Unschärfe im Hintergrund und lenkt die Aufmerksamkeit auf das Motiv (der beliebte Bokeh-Effekt). Es hilft also beim Separieren von Model und Hintergrund
  • Belichtungsmessung – je höher der Blendwert, desto länger muss belichtet werden. Als Einsteiger kann man hier auf den AV-Modus zurückgreifen, wodurch die Belichtungszeit automatisch errechnet wird. In der Regel sollte aber eher mit kurzen Verschlusszeiten gearbeitet werden, da bei der Portraitfotografie bereits durch das Atmen oder den Wimpernschlag Unschärfen entstehen können.
  • Perspektive – auch die Perspektive ist natürlich eine Stilfrage. Wichtig ist es, folgende Dinge im Hinterkopf zu behalten. Objektiv über Augenhöhe lässt das Model untergeben oder sogar unterwürfig wirken. Bleibt das Objektiv unter der Augenhöhe, so wirkt das Model erhaben und stark. Es steht über einem. Übrigens der Grund, weshalb Modefotografen den halben Tag auf Knien arbeiten.

Wie fängt man als Einsteiger am besten mit der Portraitfotografie an?

Aller Anfang muss – auch als Portraitfotograf – nicht unbedingt schwer sein. Wir haben Mario Dirks gefragt, welche Vorgehensweise er Anfängern empfiehlt, die möglichst schnell vorzeigbare Ergebnisse erzielen möchten: Sollte man sich zuerst eingehend mit der „grauen“ Theorie befassen, sich durch Fachbücher und YouTube-Videos arbeiten – oder sich einfach nach dem Motto „Learning by doing“ Kamera, Objektiv und Model „schnappen“ und fröhlich drauflosprobieren?

Der Profi ließ sich aber nicht so kategorisch „festnageln“. Seiner Erfahrung nach schadet es nicht, wenn man sich schon ein wenig mit den grundsätzlichen Zusammenhängen und Funktionsweisen der Portraitfotografie beschäftigt hat und bereits die Möglichkeiten kennt, wie Blende und Verschlusszeit kreativ und spannend zusammenwirken können.

Idealerweise hat man auch schon von der Drittelregel oder dem goldenen Schnitt gehört. Bevor man sich aber zu sehr in die Theorie „vergräbt“, sollten Anfänger oder Ein-/Umsteiger dann aber tatsächlich den Schritt in die Praxis wagen und niederschwellig Erfahrungen sammeln. Selbst wenn die Ausbeute in der ersten Zeit eher in die Schublade „Geknipse“ wandert, stellen diese Schritte wichtige Meilensteine auf dem Weg zur bewussten und einfühlsamen Portraitfotografie dar.

Auch und gerade in dieser fotografischen Disziplin gilt das Sprichwort „Übung macht den Meister“ – und öffnet jenseits der etablierten Lernmöglichkeiten auch dem begabten und experimentierfreudigen Autodidakten die Tür zum langfristigen Erfolg als professioneller Portraitfotograf.

Inspiration und Analyse des Menschen als wichtige Schritte betrachten

Seinen Workshop-Teilnehmern empfiehlt Mario Dirks zudem, sich von guten und emotional bewegenden Beispielen inspirieren zu lassen – und sich ganz gezielt zu fragen, welcher Aspekt des jeweiligen Bildes einen ganz besonders berührt oder fasziniert.

Liegt es am Motiv, der Person vor dem Objektiv?

Oder zieht hauptsächlich die Location, die Pose, das Outfit, die Umgebung oder das Licht den Betrachter in den Bann?

Diese unbeschwerte Vorgehensweise hat dem Fotoprofi gerade zu Beginn seiner Karriere enorm weitergebracht und seine Augen für die Perspektiven anderer Menschen geöffnet.

Niemals den Respekt für den Menschen verlieren!

An dieser Stelle „verriet“ uns Mario Dirks, dass er eigentlich ein ziemliches Problem mit dem Begriff „Model“ hat – da diese Bezeichnung den Menschen vor der Kamera zum Mittel zum Zweck bzw. zu einem fotografischen Objekt degradiert.

Um echte und wirklich bewegende Emotionen und – soweit gewünscht – auch eine Botschaft zu vermitteln, achtet der Profi stets darauf, dass sich der zu Portraitierende Mensch in der jeweiligen Umgebung rundum wohl und ernst genommen fühlt.

Dann kann sich sein Gegenüber auch wirklich fallen lassen und seine Individualität zur Entfaltung bringen. Hier setzen der erfahrene Fotograf, Workshopleiter und Autor auf viel Einfühlungsvermögen und Geduld.

Diese Vorgehensweise beinhaltet aber auch, je nach Charakter überwiegend aktiv oder eher passiv auf den Fortgang des Shootings Einfluss zu nehmen.

Mario Dirks lässt sehr extrovertierten und proaktiven Menschen den nötigen Freiraum, ihre „eingebaute“ Kreativität auszuleben, unterstützt andererseits aber auch ruhige, sensible Persönlichkeiten mit behutsamen und wohl dosierten „Regieanweisungen“.

Anfänger sollten ihre ersten Erfahrungen idealerweise mit Menschen sammeln, die schon öfters vor der Kamera agiert haben und nicht auf eindeutige und konkrete Vorgaben angewiesen sind.

Da man als Einsteiger dann üblicherweise auch noch nicht die Technik komplett beherrscht, bürdet man sich mit Anfängern vor UND hinter der Kamera nur unnötige Schwierigkeiten auf.

Zum Schluss noch ein echter „Insider-Hack“ für angehende Portrait-Fotografen

Am Ende des Gesprächs haben wir Herrn Dirks noch gebeten, uns vielleicht ein oder zwei echte „Hacks“ zu verraten, die ihm schon mal mächtig „aus der Patsche“ geholfen haben.

Hier verriet er uns wider Erwarten keinen raffinierten technischen Trick oder eine fotografische Herangehensweise, die bisher noch nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat – sondern ermutigte Anfänger, mit einer klitzekleinen Notlüge ein wenig die Anspannung aus der Situation weichen zu lassen.

Hat man als Einsteiger nicht die Gelegenheit, mit einem kameraerfahrenen Menschen die ersten Schritte als Portraitfotograf gehen zu können, sorgt die Unsicherheit und Unerfahrenheit auf beiden Seiten dafür, dass viel zu hohe Erwartungen, Ängste und Vorbehalte den Verlauf negativ beeinflussen und zu unentspannten, verkrampften Bildern führen.

Als Ausweg empfiehlt Mario Dirks daher, dem zu Portraitierenden Menschen einfach zu erzählen, dass man sich gerade ein ganz neues Objektiv gekauft habe und man vor dem eigentlichen „Hauptshooting“ gerne ein paar Probeaufnahmen machen wolle.

So reduziert man die übertrieben hohen Erwartungshaltungen und erhält am Ende des „Probe-Shootings“ höchstwahrscheinlich schon sehr brauchbare bis überragende Ergebnisse.

Dann wäre üblicherweise auch die Anspannung komplett verflogen und man könne gemeinsam herumexperimentieren.

Fazit zur Portraitfotografie für Einsteiger

Mario Dirks macht nicht nur großartige Fotos – sondern Anfängern und Einsteigern viel Mut, einfach loszulegen. Zwar sollte man ein paar Besonderheiten der Portraitfotografie von Beginn an im Blick behalten, nichtsdestotrotz sorgt eine unverkrampfte und nicht ausschließlich auf die Technik fokussierte Betrachtungsweise über kurz oder lang zu den besten und emotional bewegendsten Ergebnissen.

Wer sich näher mit der Fotografie von Mario Dirks beschäftigen möchte, findet auf seiner Webseite zahlreiche Inspirationen und Anregungen. Wir danken dem umgänglichen und offenen Foto-Profi für diese hilfreichen Einblicke, Tipps und Empfehlungen!

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