Portraits wie bei Martin Schoeller: das macht sie so besonders

von Jul 15, 2019Beleuchtung, Equipment0 Kommentare

Gute Portraits erfordern viel Übung und auch die richtige Hardware. Was das Zubehör angeht, so sind in den vergangenen Jahren Ringleuchten und Stableuchten besonders populär geworden. Mit diesen Gadgets und einer bestimmten Technik hat es beispielsweise der Fotograf Martin Schoeller zu einiger Bekanntheit gebracht. Wir haben uns diese Technik von Profi-Fotograf Mario Dirks erklären lassen.

  1. Warum ist der Martin-Schoeller-Effekt in den Augen so spannend anzusehen und hat dem Fotografen zu einem solchen Erfolg verholfen?
  2. Warum ist Licht in den Augen bei Porträts insgesamt so wichtig?
  3. Wie sieht das Studio-Setup aus, mit dem man einen solchen Effekt realisieren kann?
  4. Welche Nachbearbeitung wäre für diese Art Porträts nötig?
  5. Von welchen Faktoren hängt es ab, ob man Ringleuchte oder Stableuchte nutzt?
  6. Welche Voraussetzungen sollten die jeweiligen Leuchten technisch erfüllen?

1. Warum ist der Martin-Schoeller-Effekt in den Augen so spannend anzusehen und hat dem Fotografen zu einem solchen Erfolg verholfen?

Martin Schoeller ist durch seine Porträt-Strecken von berühmten Persönlichkeiten berühmt geworden.

Mit dieser Technik hat er viele Prominente auf der ganzen Welt porträtiert.

Bill Clinton, Angelina Jolie, Sting, Jack Nicholson aber auch George Clooney und Angela Merkel, um nur einige Namen zu nennen.

Es sind Close Ups. Die Gesichter auf den Fotos sind formatfüllend und wirken durch den frontalen und emotionslosen Blick in die Kamera sehr intensiv.

Die Technik von Schoeller ist bei diesem Effekt immer gleich, er bringt die Kamera auf Augenhöhe und nutzt zwei Neonröhren, die von rechts und links das Gesicht weich ausleuchten.

Die Lichtreflexe lassen das Auge katzenartig wirken und ziehen dadurch den Blick des Betrachters magisch an. Unterstützt wird dieser faszinierende Blick durch die geringe Schärfentiefe, sodass der Fokus sehr stark auf den Augen liegt.

2. Warum ist Licht in den Augen bei Porträts insgesamt so wichtig?

Spitzlichter in den Augen lassen es erst lebendig wirken. Augen ohne Lichtreflexe wirken meist matt, düster und leblos – fast so als wäre die Person schon tot.

Wenn man mit Dauerlicht fotografiert, schließt sich die Pupille meist stärker als wenn man mit Blitz fotografiert.

Deshalb wirken die Augen und auch die Iris mit ihrer Farbe bei Dauerlicht wesentlich intensiver.

3. Wie sieht das Studio-Setup aus, mit dem man einen solchen Effekt realisieren kann?

Das ist tatsächlich relativ simpel.

Man braucht einen Hocker für das Model und einen weißen Hintergrund.

Als Beleuchtung für mein Set habe ich zwei Lumen Sticks von Rollei verwendet, die ich relativ eng rechts und links vor dem Model positioniert habe.

So wurden die Lichtreflexe im Auge direkt rechts und links neben der Pupille sichtbar.

Die Farbtemperatur der LED-Leuchten habe ich auf Tageslicht eingestellt (etwa 5600K). Wie hell oder dunkel der Hintergrund wird, hängt davon ab, wie nah ich mein Model und die Ausleuchtung davor platziere.

Ich habe mit 85 Millimeter und Blenden zwischen 1.2 und 2.0 fotografiert, um eine möglichst geringe Schärfentiefe zu erreichen. Denn der Fokus muss auf den Augen liegen.

4. Welche Nachbearbeitung wäre für diese Art Porträts nötig?

Tatsächlich so gut wie keine, die Fotos sehen bereits aus der Kamera beeindruckend aus. Man könnte in der RAW-Entwicklung noch minimal Belichtung, Weißabgleich oder Kontraste anpassen.

Aber auch Schoeller bearbeitet die Bilder meines Wissens nicht, weil er sagt sie sollen ehrlich sein.

5. Von welchen Faktoren hängt es ab, ob man Ringleuchte oder Stableuchte nutzt?

Ich denke, das ist davon abhängig, welches Ergebnis man haben möchte. Die Ringleuchte sorgt für eine sehr weiche Ausleuchtung, da das Licht aus allen Richtungen gleichmäßig auf das Motiv fällt.

Fotografiere oder filme ich mittig durch die Ringleuchte, dann habe ich zusätzlich so gut wie keine sichtbaren Schatten auf dem Foto beziehungsweise Video.

Eine Ringleuchte kann beispielsweise super eingesetzt werden, um mit wenig Aufwand Youtube-Filme zu drehen oder Produkte optimal auszuleuchten, zum Beispiel für Verkaufsportale im Internet.

Fotografiere ich mit einer Ringleuchte Portraits, dann bekomme ich einen intensiven runden Lichtreflex in den Augen. Der sollte übrigens möglichst so gesetzt werden, dass er die Pupille umschließt.

6. Welche Voraussetzungen sollten die jeweiligen Leuchten technisch erfüllen? (Also, was CRI und Co. angeht)

Sie sollten in der Intensität möglichst stufenlos regelbar sein.

Auch die Farbtemperatur sollte regelbar sein, um sie beispielsweise dem Umgebungslicht angleichen zu können.

Wenn ich früher tagsüber in Innenräumen mit dem vorhandenen Licht (Glühbirne) fotografiert oder gefilmt habe, dann passte sich der automatische Weißabgleich an das relativ warme Licht an.

Sobald aber ein Fenster im Bild sichtbar wurde oder Tageslicht hineinfiel, hatte ich bedingt durch die unterschiedlichen Farbtemperaturen sofort einen Blaustich im Bild.

Die ganzen Einstellungen sollten gut lesbar und das Licht fernzusteuern sein. Idealerweise über eine Fernbedienung oder noch besser mit einer App fürs Handy.

Die Lampen sollten sowohl mit Netz (Studio) als auch mit Akku (Outdoor) betrieben werden können und trotzdem möglichst leicht und kompakt sein.

Zusätzlich sollten sie in allen Farben leuchten können, damit man sie eventuell auch mal als Effektlicht einsetzen kann.

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