Wie funktioniert Lightpainting?

Mrz 5, 2020 | Beleuchtung

Lightpainting ist in den vergangenen Jahren eine beliebte Art der Fotografie geworden.

Der Grund: Fotos mit beeindruckenden Farbakzenten lassen sich verhältnismäßig leicht anfertigen. Farbkünstler Olaf Schieche gibt regelmäßig Workshops zu diesem Thema und nutzt dafür unter anderem Lumen Sticks von Rollei. Wir haben ihn bei einem Shooting begleitet.

1. Worauf kommt es beim Lightpainting an?

Es kommt auf die richtigen Kameraeinstellungen, aufs Umgebungslicht und auf die Kreativität an. Ohne Kreativität kannst du einfach keine schönen Bilder machen. Es kommt tatsächlich weniger aufs Equipment an. Die Kunst liegt darin, dass du mit dem, was du dabeihast, was Cooles hinkriegst. Es geht am meisten um Kreativität, Location und Kameraeinstellungen. Man sollte die Einstellungen kennen und wissen, wie man mit Licht arbeitet.

2. Was würdest du einem Anfänger empfehlen?

Also, ein Anfänger sollte vor allen Dingen wissen, welches Equipment man dabeihaben sollte. Die Kamera muss Bulb-Modus können. Man braucht ein ordentliches Stativ, das dem Wind standhalten kann, keine Mini-Dinger, die schon beim Angucken umfallen, einen Fernauslöser für den Bulb-Modus und auch zwei oder drei Taschenlampen. Kleine Taschenlampen bis große Taschenlampen. Alles andere kann man eigentlich selbst bauen. Das ist aus meiner Sicht auch die Kunst beim Lightpainting. Selbst bauen mit den lustigsten Materialien. Zum Beispiel Heizungsisolierung, Panzertape, Trinkbecher oder auch Flaschen. Es ist nicht nur cooler, diese Sachen selbst zu bauen, sondern auch einfach günstiger. Aber das kommt immer auf das jeweilige Tool an. Manchmal muss man auch Geld investieren.

3. Was sind die häufigsten Fehler?

Viele Menschen verstehen erst mal gar nicht, was die Blende/beziehungsweise Kameraeinstellungen insgesamt bewirken. Sehr häufig werden falsche Blenden eingestellt. Oder auch, dass man mit dem Autofokus in der Dunkelheit nicht arbeiten kann. Also, dass man nicht scharfstellen kann, weil zu wenig Licht auf den Sensor fällt. Viele Fotografen sind auch zu hektisch und überlegen nicht vorher, was sie alles im Bild unterbringen wollen. Und man muss auch lernen, sich richtig mit dem Licht zu bewegen. Viele trauen sich das erst nicht. Das sieht natürlich schon komisch aus, wenn du da jemanden mit einer leuchtenden Mülltüte im Park tanzen siehst. Aber man muss einfach dann aus sich rausgehen und lernen, damit schöne Spuren zu ziehen und alles andere auszublenden.

Kamera: Olympus OM-D E-M1 Mark II

Belichtung: 29 Sek. bei Blende 9

ISO: 100

4. Tipps, die du deinem eigenen Anfänger-Ich von damals geben würdest?

Weniger ist mehr. Ich habe es immer viel zu bunt getrieben und alle möglichen Farben genutzt. Man kann ja auch mal nur Blautöne nutzen, oder warme Töne. Orange, Gelb und Rot. Ich wollte häufig in einer Nacht zu viel erreichen. Lightpainting braucht Zeit, deshalb sollte man zufrieden sein, wenn man in einer Nacht drei Bilder schafft.

5. Welche Kameraeinstellungen würdest du empfehlen?

Kameraeinstellungen kommen darauf an, wo man gerade ist. Wenn man in der Stadt eine gewisse Grundbeleuchtung hat, dass also der Himmel von der Stadt angeleuchtet ist, dann Iso 100, die Blende meist bei 8 und eben im Bulb-Modus. Wenn man in RAW fotografiert, würde man noch einen Weißabgleich machen. Das ist das Schöne beim Lightpainting. Du brauchst diesen ganzen Firlefanz nicht. Wenn ich draußen unterwegs bin, nehme ich andere Einstellungen, weil ich möglichst viel Licht reinkriegen will.

6. Welche Fotosituationen sind am spannendsten?

Am coolsten finde ich persönlich Lost Places. Da kann man sehr gut Altes und Neues miteinander verbinden und man kann sich austoben. Oder insgesamt auch Orte, an die man sonst nicht so hinkommt. Letztes Jahr bin ich beispielsweise zu Trolltunga hochgewandert, einer Felsformation in Norwegen. Da habe ich zwei Bilder gemacht, oben geschlafen und dann wieder runtergewandert. Man erlebt beim Lightpainting auch insgesamt sehr viel. Von Zoll über Polizei bis zu Geisterjägern war da schon alles dabei. Der Kontakt mit Geisterjägern ist mir aber nur einmal passiert, und zwar im Klecker Wald südlich von Harburg. Da gibt es ein Hünengrab, von dem gesagt wird, dass dort eine Hexe lebt und wo ich Lightpainting gemacht habe. Da stand ich dann auf einem Felsen mit einem beleuchteten Motorradhelm und Laserschwert. Plötzlich hält ein Auto an und es steigen vier Leute aus, die mich fragen, ob ich auch auf der Suche nach paranormalen Phänomenen bin. Die dachten sich vermutlich, dass sie da gerade etwas Paranormales entdeckt haben, aber das war nur ich.

Kamera: Olympus OM-D E-M1 Mark II

Belichtung: 41 Sek. bei Blende 10

ISO: 100

7. Wie bist du selbst zum Lightpainting gekommen?

Ich habe im Jahr 2011 Urlaub auf Rügen gemacht und hatte vorher in der Zeitung mal Lichtmalereien gesehen. Das waren Strichmännchen und ich dachte mir, dass ich das mal ausprobieren will. Dann bin ich abends zum Bootssteg runtergelaufen, habe einen Wein getrunken, die Kamera hingestellt und mit einer Fahrradlampe Männchen, Herzen und Gesichter gemalt und ich war fasziniert davon. Dann dachte ich, dass ich mal weitermache und das weiterentwickle.

8. Eher viel oder eher wenig Equipment mitnehmen?

Grundsatz Nummer 1 beim Lightpainting: Nimm immer mehr mit als du brauchst. Es könnte sein, dass du spontan eine Eingebung hast, deswegen habe ich immer meine wichtigsten Koffer mit, meinen Taschenlampen-Koffer und den Toolkoffer, in dem das Zubehör drin ist. Und dann kann es losgehen.

Bonus: Wie funktioniert Lightpainting mit Stahlwolle?

Als Bonus ist hier eine Anleitung für Lightpainting mit Stahlwolle.

Es ist wahrscheinlich die schnellste und einfachste Methode für diese Art der Fotografie.

 

Ausrüstung für Lightpainting mit Stahlwolle:

  • Schneebesen oder Tee-Ei aus Metall
  • Metallkette
  • Dunkle Kleidung
  • Feuerzeug oder D-Block-Batterie
  • Stahlwolle (je feiner, desto besser) Feinheitsgrade gehen von einzelner 0 (sehr grob) bis 0000 (sehr fein)
  • Je feiner die Wolle, desto mehr Funken fliegen
  • Passende Location (möglichst nichts Brennbares in der Nähe und keine Glasscheiben, weil die Funken sich durch Glas brennen können
  • Wasserpfützen können eine gute Ergänzung sein (durch Spiegelungen)
  • Bei starkem Wind besser nicht mit Stahlwolle arbeiten, weil die Funken nachglühen können

Vorbereitung:

  1. Kette feuerfest an Schneebesen oder Tee-Ei befestigen (weil bis zu 1.000 °C heiß)
  2. Stahlwolle auflockern, damit sie nicht so dicht gepackt ist (Sauerstoff)
  3. Dann in Teesieb oder Schneebesen packen
  4. Stahlwolle anzünden und langsam anfangen zu schwingen

Lightpainting:

  1. Bulb-Modus der Kamera einstellen
  2. Blende 6-11 nutzen
  3. Manuell fokussieren, weil Autofokus in der Dunkelheit nicht klappt
  4. Ergebnis ansehen, gegebenenfalls nachjustieren

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