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Praxistest Carbon-Reisestativ: Compact Traveler No. 1 Carbon

Feb 4, 2016 | Testbericht

Landschafts- und Reisefotografen begreifen schnell, dass das Stativ genauso wichtig ist wie die Kamera.
Dennoch unterscheiden sich die Bedürfnisse der einzelnen Fotografen: Ein Reisefotograf wird sich kaum davon überzeugen lassen, ein schweres dreibeiniges Aluminiumstativ mit sich herumzutragen.
Noch vor einigen Jahren gab es für dieses besondere Bedürfnis kaum eine Profilösung, inzwischen
bietet der Markt hier zahlreiche Möglichkeiten.

Eine davon werden wir testen, und zwar das neue Carbon-Reisestativ Compact Traveler No.1 Carbon von Rollei, das wir in diesem Bericht der Einfachheit halber und liebevoll, weil wir es monatelang gequält haben, „Little Boy“ nennen. Little Boy ist ein Stativ, das in die Marktnische Landschafts- und Reisefotografie passt, da es leicht zu transportieren ist, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen (nein, in meinem Blog wird niemals ein Bericht zu Kunststoffstativen von Hama oder ähnlichem zu finden sein).

Die Verpackung lässt bereits die Eigenschaften erahnen, die das Produktdatenblatt verrät:
• Gewicht: 0,98 kg
• Packmaß: 33 cm
• Maximale Höhe: 142 cm
• Mindesthöhe: 34 cm
• Maximale Belastbarkeit: 8 kg

Die Ausstattung ist üppig. Neben dem Stativ und der Bedienungsanleitung finden sich:
• Kugelkopf
• Transporttasche
• Schultergurt
• Werkzeug und Ersatzteile

Wer wie ich Manfrotto benutzt, wird hiervon angenehm überrascht sein.

Wie in der Abbildung oben zu sehen ist, ist nicht nur das nötige Werkzeug für das vollständige Auseinanderbauen des Stativs vorhanden, sondern es gibt auch Ersatzgummifüße, die ja bekanntlich von unschätzbarem Wert sind!

Sehen wir uns den Little Boy nun genauer an…

Nach dem Öffnen des Stativs, stellen wir einige interessante Eigenschaften fest:

  1. Das Reisestativ setzt sich aus vier Segmenten zusammen; hier zeigt sich, warum das Packmaß so kompakt ist, und das bei einer maximalen Arbeitshöhe von 142 cm.
  2. Alle Segmente sind aus Carbonfaser, alle Verbindungselemente aus Magnesium, deren geringe Dichte und hohe spezifische Festigkeit für das geringe Gewicht sorgen.
  3. Die Segmente lassen sich durch Schnellverschluss verkleinern, eine kleine Drehung am Riegel und das Bein sinkt auf die gewünschte Höhe, eine weitere Drehung in der Gegenrichtung blockiert die Stellung. Dieser Verschluss hat es mir besonders angetan, wir werden noch sehen, warum.
  4. Der Winkel der Beine lässt sich durch „Press-Release“ verstellen, das heißt, man muss nur auf eine bestimmte Platte drücken, dann ist das Bein frei verstellbar. Wie bei den meisten Profistativen gibt es drei Benutzungsstellungen in dem Bereich von 50° bis 180°.

5. Die Mittelsäule reicht nicht bis auf den Boden. Das ist hervorragend, da so die maximale Arbeitshöhe gesteigert wird, ohne den Öffnungswinkel der Beine einzuschränken, die so einen 180°-Winkel erreichen können.

6. Am Gestell des Stativs, an dem die Beine angeschlossen sind, befindet sich ein Haken, an den man seinen Rucksack (oder ein Gewicht) hängen kann. Diese Eigenschaft wird oft unterschätzt, aber wenn man das Stativ bei starkem Wind auf eine Klippe stellt, sieht die Sache schon ganz anders aus!

7. Die Gummifüße des Stativs können abgenommen werden, darunter befinden sich Spitzen, mit denen man das Stativ hervorragend im Rasen oder auf ähnlichen Untergründen befestigen kann, auf denen Gummifüße wenig Sinn ergeben.

8. Der Kugelkopf ist mit Arca Swiss kompatibel, das heißt, er ist mit praktisch unendlich vielen Adapterplatten kompatibel, falls die Platte aus dem Zubehör (die hervorragend ist) aus irgendwelchen Gründen nicht gefällt. Am Kopf findet sich eine Wasserwaage; eine tolle Sache für Leute wie mich, die ohne Hilfe keinen geraden Horizont hinbekommen!

9. Und die größte Überraschung: eines der drei Beine lässt sich abnehmen und direkt am Kugelkopf montieren, um aus dem Dreibein- ein Einbeinstativ zu machen!

Das Carbon-Reisestativ ist schön und gut verarbeitet.
Sehen wir nun mal genauer hin…

Eine der wichtigsten (und am meisten unterschätzten) Eigenschaften eines Stativs ist seine Wartungsfreundlichkeit.

Eine Sache, die mir an diesem Stativ besonders gut gefällt, ist die Leichtigkeit, mit der es auseinandergenommen werden kann. Insbesondere die Beinsegmente lassen sich schnell abnehmen und reinigen (im Gegensatz zu den Dreibeinstativen von Manfrotto, bei denen man Zeit, Geduld, mehr Zeit und eine Fotoanleitung braucht, um alle Teile wieder zusammenzusetzen, ohne etwas zu vergessen…).

Nach dem Abbau eines Beins kommt eine verblüffende Besonderheit zum Vorschein: Zusätzlich zu der Teflonbuchse, die die Führung und das Verstellen zwischen den einzelnen Beinen ermöglicht, sind hier drei Dichtungen zu finden! Diese verhindern das Eintreten von Sand oder anderen Feststoffpartikeln in das obere Beinsegment und damit Kratzer und ein Einklemmen des Beins! Angesichts der Umstände, wie und wo ich meine Stative nutze, rechtfertigt allein dieser Staubschutz den Kauf!

Schon in der ersten Prüfung hat Little Boy hervorragend abgeschnitten; in der Praxis stellt das Stativ seine Vorzüge erst recht unter Beweis. Das Stativ passt problemlos in einen normalen Rucksack oder Rollkoffer
(genau: perfekt für Easyjet und Ryanair!), mit dem Schultergurt wird‘s erst richtig bequem. Draußen passen sich die vier Segmente des Stativs jeder Oberfläche an: von Felsen bis hin zu schmalen Standflächen, mir ist keine Situation begegnet, in der es keine Lösung gab.

Wer denkt, so ein kleines und leichtes Stativ wäre nichts für seine Spiegelreflexkamera, der irrt sich: Ich erinnere noch einmal daran, dass die maximale Belastbarkeit 8 kg beträgt, das heißt, das Stativ kann problemlos eine Spiegelreflexkamera samt mittlerem Teleobjektiv tragen.

Meine Tests habe ich mit einer Nikon D810 und Zeiss Distagon T * 2,8 / 21 durchgeführt. Mit dieser Konfiguration hat sich Little Boy als sehr viel stabiler erwiesen als gedacht. Diese (wahrscheinlich nicht sehr wissenschaftliche) Aufzeichnung von Schwingungsimpulsen (mit einem Finger auf einem Bein) am Stativ ist der Beleg: Nach weniger als 1,5 Sekunden ist die Schwingung vollständig reabsorbiert!

Da ein berechtigter Zweifel an dem Verhalten des Stativs bei niedrigen Temperaturen besteht, habe ich einen weiteren (völlig unwissenschaftlichen) Test durchgeführt: 48 Stunden in meinem Gefrierschrank!

Das Ergebnis ist interessant, da es die Qualität des verwendeten Materials beleuchtet: Das Stativ ist auch im vollständig gefrorenen Zustand verwendbar, da sich jedes Teil normal bewegen lässt. Die Teflonführungen ermöglichen das reibungslose Gleiten der Beine, und der Wähler für die Beinstellung aus Magnesium ist nicht blockiert! Selbst der Kugelkopf funktioniert und gleitet reibungslos.

Fazit

Das Stativ Compact Traveler No.1 Carbon von Rollei ist in jeder Hinsicht eine Überraschung. Leicht, kompakt und zuverlässig: Diese drei Worte beschreiben das Produkt perfekt. Für den Landschafts- oder Naturfotografen ersetzt der Little Boy natürlich nicht das gewohnte Arbeitsstativ, aber als Backup oder Reisestativ kann ich mir kaum ein geeigneteres Produkt vorstellen!

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Compact Traveler No. 1 Carbon Stativ

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