Arktis Reise: Fotografieren im Eis der Antarktis

Apr 1, 2019 | Landschaft

Im März 2018 war Thomas Güttler, Geschäftsführer von Rollei, auf Foto-Tour in der Arktis. Was er dort erlebt hat und wie es ist bei -20 Grad Celsius zu fotografieren, berichten wir Ihnen hier.

Kommen Sie mit auf eine spannende Reise in die Arktis!

Tag 1 – Die Ankunft

Das ewige Eis des Nordpolarmeers und die Natur der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen bieten eine überwältigende Kulisse für Foto-Shootings im Allgemeinen und Langzeitbelichtungen/Filteraufnahmen im Speziellen. Thomas Güttler, Geschäftsführer von Rollei und begeisterter Naturfotograf, nimmt uns in dieser mehrteiligen Blogartikelserie mit auf eine wirklich einzigartige Fotosafari, die ihm noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Als Geschäftsführer von Rollei und erfahrener Landschaftsfotograf ist Thomas Güttler geschäftlich und privat oft unterwegs. Er kennt unzählige Top-Foto-Locations auf der ganzen Welt fast schon „aus der Westentasche“. Nichtsdestotrotz stellte der einwöchige Ausflug ins ewige Eis des norwegischen Polarmeers auch für den leidenschaftlichen Globetrotter eine Premiere – und eine wirklich unvergleichliche Erfahrung – dar. Dieser eigentlich extrem unwirtliche Teil der Welt, quasi nur einen Schneeballwurf vom Nordpol entfernt, zog den Foto-Profi mit seiner beeindruckenden Natur und der wirklich atemberaubenden Stille, der sogenannten „Arctic Silence“ komplett in seinen Bann.

Die Anreise nach Longyearbyen

Auf die norwegische Inselgruppe Svalbard „Kühle Küste“ – in Deutschland eher bekannt als „Spitzbergen“ – kommt man nicht so einfach, obwohl der Tourismus mittlerweile als eine der Haupteinnahmequellen der knapp 2.600 Einwohner gilt. Um vom Rollei Standort in Norderstedt bei Hamburg in den Hauptort Longyearbyen zu reisen, musste Thomas Güttler von Hamburg nach Frankfurt, weiter nach Oslo und schließlich zum Flughafen „Svalbard lufthavn, Longyear“ fliegen – und bereits um 04:30 Uhr aufstehen.

Im Zuge der zahlreichen Umstiege ging dann auch prompt ein Koffer verloren. Glücklicherweise musste das Rollei Team „nur“ auf die warmen Wintersachen verzichten. Was sich angesichts der am Zielort vorherrschenden Witterungsverhältnisse aber nur im ersten Moment ziemlich kritisch anhört, den Grund dafür erfahren Sie im weiteren Verlauf dieser Blogartikelserie. Die wesentlich wertvollere – und für den Erfolg der arktischen Fotosafari wirklich entscheidende – Fotoausrüstung führte Thomas Güttler wohlweislich und aufgrund langjähriger Vielfliegererfahrung direkt „am Mann“ und gut verpackt in passenden Rollei Fototaschen und -rucksäcken mit.

Robustes Equipment

Mit ins ewige Eis des Nordpolarmeers flogen natürlich auch die extrem robusten und vollkommen kälte- und witterungsresistenten Reise- und Outdoor-Stative der Rollei Lion Rock Familie mit. Die Anforderungen am Mensch und Technik übertreffen verständlicherweise deutlich die Rahmenbedingungen, die man selbst im tiefsten deutschen Winter vorfindet. Entsprechend zuverlässig müssen Kamera und Ausrüstung funktionieren. Auf die besonderen Vorgehensweisen beim Fotografieren bei Kälte gehen wir dann im letzten Beitrag dieser Blogartikelreihe noch detaillierter ein.

Pure Vorfreude

Der sehr lange Flug und die zahlreichen Zwischenstopps ließen die Vorfreude bei Thomas Güttler fast schon ins Unerträgliche steigen. Der Polarkreis mit seiner Weite, der beeindruckenden Natur und den gezwungenermaßen sehr erfinderischen und anpassungsfähigen Menschen gilt bei vielen Profifotografen als der letzte „weiße Fleck“ auf ihrer Weltkarte der bereits erfolgreich „abgehakten“ Outdoor-Locations.

Der Blick aus dem kleinen runden Fenster der Passagierkabine auf die schier unendliche Eis- und Schneelandschaft eignet sich hervorragend, sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes wieder „einzunorden“ und sich der Kraft und der Schönheit unserer Umwelt wieder im vollen Umfang bewusst zu werden. Der erste überwältigende Sonnenuntergang im Nordpolarmeer stimmte dann auch den Fotoprofi auf die unvergesslichen Momente der kommenden Tage angemessen ein.

Tag 2 – Die Notfallhütte

Im ersten Teil dieser Blogartikelserie zu Thomas Güttlers spektakulärer Fotosafari im ewigen Eis Spitzbergens konnten Sie über die nicht ganz unkomplizierte Anreise und die ersten, bereits überwältigenden Eindrücke vor der Ankunft auf dem Flughafen Longyearbyen lesen. Heute dreht sich alles um die erste Foto-Tour und die Entdeckung eines ungemein fotogenen Vordergrundmotivs …


Für Thomas Güttler beginnt ein vielversprechender Tag üblicherweise erst einmal mit einem ordentlichen Schluck Kaffee. Unabhängig davon, in welcher Region der Welt der Geschäftsführer von Rollei gerade unterwegs ist. Der erste Morgen in Spitzbergen hielt aber sinnvollerweise auch noch ein ausgiebiges und ungemein schmackhaftes Frühstück für das Rollei-Team bereit, um den körperlichen Anstrengungen der anstehenden Foto-Tour gut vorbereitet entgegentreten zu können.

Hauptort Longyearbyen

Ausgangspunkt aller nachfolgenden Exkursionen war der Hauptort Longyearbyen, eine ehemalige Bergarbeiterstadt und heutiger Tourismus- und Forschungs- Hotspot. Der Ort verfügt sogar mit dem UNIS über ein eigenes Universitätszentrum (als Außenstelle der Universitäten in Oslo, Bergen, Tromsø und der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens).

Benannt wurde der Ort in gewohnt pragmatischer norwegischer Manier nach dem amerikanischen Unternehmer John Munroe Longyear (byen = Stadt), der 1906 dort eine Bergarbeitersiedlung für die Arctic Coal Company errichtete.

Nach dem Frühstück wurde sorgfältig die benötigte Ausrüstung in die Rollei Fotorucksäcke verpackt und in Ruhe angemessene Kälteschutzkleidung angelegt. Die eigene Winterkleidung geisterte – wie im ersten Teil der Blogartikelserie bereits erwähnt – auf diversen Umwegen weiterhin dem Rollei-Team hinterher. Der abhanden gekommene Koffer war leider immer noch nicht aufgetaucht.

 

Mit Schneemobil durchs Eis

Glücklicherweise beinhaltete die Miete der Schneemobile auch bequeme und wärmende Overalls sowie Fausthandschuhe, die trotz der dicken Polsterung noch genügend Bewegungsfreiheit für die Lenkung der Motorschlitten bereithielten. Die Schneemobile ersetzen auf Spitzbergen das Auto. Im ewigen Eis der im Polarmeer gelegenen Inselgruppe beschränkt sich das Straßennetz auf die wenigen Orte.

Es existieren keine Überlandverbindungen zwischen den Städten. Grundsätzlich verfügen die Motorschlitten über Bedienelemente, die man bis auf den Daumengashebel auch von Quads kennt, erfordern aufgrund des Kettenantriebs und der möglichen Höchstgeschwindigkeit von ca. 100 km/h aber doch eine vorherige Einweisung. Während der Fahrt zur ersten Shooting-Location war das Rollei-Team aber wesentlich langsamer unterwegs.

Die ungewohnte Fortbewegung und der teilweise sehr unebene Untergrund tatsächlich für ein paar Stürze sorgte, die aber durchweg glimpflich ausgingen. Damit man nach einem Fall vom Motorschlitten direkt weiterfahren kann, sind fast alle am Markt erhältlichen Modelle mit einer sogenannten Totmanneinrichtung ausgestattet, die nach dem „Verlust“ des Fahrers den Motor sofort „abwürgt“.

Erster Stopp – verfallene Nothütte

Den ersten Stopp legte das Rollei-Team nahe der gefrorenen Oberfläche eines Fjordausläufers ein. Das Gletschertal war komplett von schneebedeckten und von der strahlenden Sonne beschienenen Bergen umgeben. Dieses Panorama erschien dem erfahrenen Landschaftsfotografen eigentlich schon beeindruckend genug. Die „Kirsche auf der schneeweißen Sahnetorte“ stellte aber eine verfallene Nothütte dar, die scheinbar seit Jahrzehnten mitten im Talkessel nur auf die Kameras des Teams zu warten schien …

Die unwirtlichen und dauerhaft schnee- und eisbedeckte Weiten Spitzbergens sind von einem mehr oder weniger gleichmäßigen Netz von Nothütten überzogen. Diese äußerst spartanischen Unterkünfte sind nicht für dauerhafte Ferienaufenthalte gedacht, sondern sollen in Not geratene Reisende bei Pannen, Unfällen oder extremen Witterungsbedingungen Schutz, Wärme und Nahrung bieten. Solange bis sich die Situation entspannt hat oder Retter eingetroffen sind.

An der – aufgrund der Neugierde der einheimischen Eisbären – ständig verschlossenen Nothütte findet man direkt einen Kasten mit dem Schlüssel. Sobald man sich und seine Mitreisenden im Innern in Sicherheit bringen konnte, sollte man den Ofen in Betrieb nehmen. Notvorräte und Wasser sorgen dafür, dass man einige Zeit bei Kräften bleibt. Weiteren Luxus weisen die Nothütten nicht auf. Das Exemplar im Gletschertal hatte schon seit etlichen Jahren seine beste Zeit hinter sich und war verständlicherweise komplett außer Dienst gestellt worden. Mittlerweile sorgt ein modernes Mobilfunknetz auch auf Spitzbergen für fast lückenlosen Empfang, sodass Nothütten nur noch in ausgewiesenen Funklöchern Unterschlupf für mehrere Tage bieten müssen.

Um die Einsamkeit der Location überzeugend einfangen zu können, ließ der Fotoprofi bei der obenstehenden Aufnahme die Regeln des goldenen Schnitts bewusst außen vor und setzte die Ruine mitten in den Rahmen der umgebenden Schnee- und Berglandschaft und des strahlend blauen Himmels des kurzen Polartags.

 

Lost place

Auf dem Rückweg machte das Rollei-Team noch einen Abstecher zu einem echten „Lost Place“. Die mystische, fast schon gespenstische Atmosphäre der komplett verlassenen, ehemaligen russischen Bergbausiedlung beeindruckte Thomas Güttler so sehr, dass für einen der Folgetage direkt ein längerer Aufenthalt eingeplant wurde.

Tag 3 – Shooting in und um Longyearbyen

In Teil 1 und Teil 2 dieser Blogbeitragsreihe kamen Sie mit Rollei Geschäftsführer Thomas Güttler auf Spitzbergen an und begleiteten das Rollei-Team bei seinem ersten Schneemobil-Ausflug in ein abgelegenes Gletschertal, das mit einem überraschenden Vordergrundmotiv aufwarten konnte. Der dritte Teil handelt vom Shooting in und um Longyearbyen, dem Hauptort der Inselgruppe Spitzbergen (auf norwegisch „Svalbard“) …

Am ersten „vollständigen“ Tag auf Spitzbergen kam das Rollei-Team auf der Rückfahrt vom Gletschertal mit der äußerst fotogenen Nothütte an einem vielversprechenden Aussichtspunkt vorbei. Der Spot präsentierte einen überwältigenden Blick über Longyearbyen und den zugefrorenen Fjord auf den gegenüberliegenden Berg. Diese Perspektive sollte am zweiten Tag genauer in Augenschein genommen werden.

Zahlreiche Motivquellen in und um Longyearbyen

Bevor es aber auf die Anhöhe ging, wagte sich Thomas Güttler erst einmal auf das Packeis des „Hausfjords“ des Hauptortes. Dort fand der erfahrene Landschaftsfotograf tatsächlich noch eine kleinere eisfreie Stelle, die sich hervorragend eignete, die Gipfel der gegenüberliegenden Bergkette zu spiegeln.

Eine der Gründe, sich im näheren Radius der „Inselhauptstadt“ aufzuhalten, war aber auch in der Tatsache begründet, dass die sehr ausgedehnte – und für das Rollei-Team ziemlich ungewohnte – Motorschlittenfahrt am Folgetag noch in allen Knochen zu spüren war. In und um Longyearbyen befinden sich erfreulicherweise aber auch zahlreiche Motivquellen, die darauf warteten, „abgearbeitet“ zu werden.

Prägnante Vergangenheit

Überall im Ort wird man an die vom Kohlebergbau dominierte Vergangenheit erinnert. Sämtliche Häuser auf Spitzbergen stehen auf Pfählen, der Permafrostboden erlaubt keine anderen Fundamente. Die Inselgruppe besitzt eine eingeschränkte Selbstverwaltung.

In Longyearbyen residiert als Repräsentant der norwegischen Regierung ein „Sysselmann“, der gleichzeitig als Polizeichef, Hilfsrichter und Inhaber fungiert und über ein eigenes Schiff, die „Nordsyssel“ verfügt. Immer wieder wurde über eine Autonomie von Spitzbergen diskutiert, die aber aufgrund der Nähe zu Russland und den Ambitionen der Moskauer Regierung schließlich regelmäßig zu den Akten gelegt wurde.

Begegnung mit Eisbären

Auf den über 400 Inseln und Schären, die zu Spitzbergen gehören, ist jederzeit mit „kreuzenden“ Eisbären zu rechnen. Daher sieht man kaum jemand, der sich im Freien ohne Schusswaffe aufhält. Zwar gibt es in Norwegen – im Vergleich zu Bayern – keine ausgewiesenen „Problembären“, bei einer zufälligen Begegnung sollte man aber auf einen Spontanangriff stets vorbereiten sein.

Für die Bewohner des Polarkreises gehört diese Notwendigkeit genauso zum Alltag wie die Polarnacht und das raue Klima. Die Eisbären nutzen ihrerseits in aller Regel die vorwiegend menschenfreien Zonen, um ihren täglichen Verpflichtungen möglichst entspannt und friedlich nachgehen zu können. In der örtlichen Filiale der norwegischen SpareBank legt man aber verständlicherweise größten Wert darauf, dass keine Schusswaffen mit ins Haus genommen werden.

Haupt-Shooting

Das Haupt-Shooting des zweiten Tages im ewigen Eis sollte dann am Abend bzw. bei anbrechendem Sonnenuntergang stattfinden. Thomas Güttler fand mit dem geübten Auge des langjährigen Filterfotografen bereits am Vortag heraus, dass die untergehende Sonne die genau gegenüber von Longyearbyen liegende Gipfel des Berges „Hiorthfjellet“ in ein überwältigendes, pinkfarbenes Licht taucht. Der Ort verbleibt dabei selbst bereits weitestgehend im Schatten des Talkessel .

Einsatz des richtigen Filters

Um zu vermeiden, dass der untere Bereich der Aufnahme komplett im Dunkeln „absäuft“, setzte der Rollei Geschäftsführer einen Soft GND Filter ein. Dieser dunkelt den oberen Bereich mit einem gleichmäßig auslaufenden Verlauf farbneutral ab. Und die Details im Umfeld der Ansiedlung bleiben weiter erhalten.

Der Filtereinsatz zeigte während aller Phasen des Sonnenuntergangs die gewünschte Wirkung. Der Verlauf von Pink zu Violett im komplett wolkenfreien Himmel spiegelt sich im ersten Foto in den klar erkennbaren Schneeflächen im Vordergrund wieder.

Der im Vergleich zu den sich im Talkessel zusammenkauernden Häusern riesige Hiorthfjellet nimmt die im zustehende „Pole-Position“ im Bild in voller Pracht strahlend ein.

Die Farbstimmung der zweiten Aufnahme bewegt sich bereits stark in Richtung Blau/Violett. Nichtsdestotrotz sorgt die kurze Brennweite dafür, dass alle Details dieses beeindruckenden Panoramas gestochen scharf wiedergegeben werden.

Am rechten Bildrand sieht man die Türme der Kohleförderbahn, die den begehrten Rohstoff ähnlich eines Skilifts von den Flözen im Berg zum Sammel- und Abtransport-Punkt in Longyearbyen unkompliziert und zügig über die teilweise sehr hohen Schneeverwehungen des Talkessels bringen konnte.

Der letzte „Schuss“

Der letzte „Schuss“ präsentiert sich schon fast als Nachtaufnahme, wohingegen der 928 Meter hohe Berg mit einer wesentlich detaillierteren Schattenzeichnung aufwartet. Im Ort sind bereits in allen Häusern die Lichter angegangen. Die Einwohner von Longyearbyen bereiten sich allmählich auf die klirrend kalten Abend- und Nachtstunden vor.

Nach diesen spektakulären Aufnahmen baute das Team seine Rollei Lion Rock Stative ab, packte die Rollei Rechteckfilter ein und machte sich auf den Rückweg ins Hotel. Ein reichhaltiges Abendessen wartete schon auf die Fotografen, um die Herausforderungen des nächsten Tags gestärkt und ausgeschlafen in Angriff zu nehmen.

Tag 4 – Mit Rollei im ewigen Eis der Arktis

In den ersten drei Teilen dieser Blogartikelserie landeten Sie mit Rollei Geschäftsführer Thomas Güttler im ewigen Eis, fuhren auf dem Motorschlitten mit zur verfallenen Nothütte und schauten sich ausgiebig in und um Longyearbyen um. Der vierte Teil dreht sich um die verfallene Geisterstadt Grumant und die unvergesslichen Eindrücke am vereisten Fjordstrand des Nordpolarmeeres …

Nach dem weitestgehend schneemobilfreien Tag in der direkten Umgebung des Hauptortes Longyearbyen hatten sich die Knochen des Rollei-Teams wieder einigermaßen erholt. Dem Ausflug zur ehemaligen russischen Bergarbeitersiedlung „Грумант“ – auf deutsch „Grumant “ – stand soweit nichts mehr im Wege.

Die Geisterstadt

Bereits am ersten Tag auf Spitzbergen kam das Team an diesem bilderbuchartigen „Lost Place“ vorbei, verschaffte sich einen kurzen Überblick und entschied aufgrund der bereits ziemlich vorgerückten Stunde, am übernächsten Tag genügend Zeit für eine ausgedehnte Inspektion einzuplanen. Die reine Luftlinie zwischen der Geisterstadt und Longyearbyen beträgt zwar „nur“ 12 Kilometer, die aber auf dem wenig komfortablen Sattel eines Motorschlittens und bei klirrender Kälte zurückgelegt werden müssen.

Mittlerweile hatten die Teilnehmer der Rollei-Polar-Expedition aber bereits eine gewisse Routine im Umgang mit dem Hauptfortbewegungsmittel der Einwohner von Svalbard, wie die Inselgruppe im norwegischen Sprachgebrauch heißt. Nach der Ankunft schaute man sich erst einmal in den Häuserruinen um, die auf den ersten Blick ziemlich überstürzt verlassen wurden. Tatsächlich stellte die sowjetische Kohleförderungsgesellschaft Arktikugol den Kohleabbau bereits 1962 ein. Die verbleibenden Einwohner zogen sich aber erst 1965 endgültig zurück.

In seiner „Blütezeit“ 1951/1952 wohnten in Grumant immerhin 1106 Menschen. Mehr als zur gleichen Zeit im jetzigen Hauptort Longyearbyen. Von den meisten Gebäuden lassen sich mittlerweile nicht mal mehr die Grundrisse erahnen. Mehr oder weniger intakt halten sich im arktischen Wind nur noch tapfer ein paar Gemäuer, in denen Thomas Güttler rostige Bettgestelle, funktionsuntüchtige Feuerlöscher, abgewetzte Grubenarbeiterkleidung und vermoderte Möbel fand.

Diese Gegenstände sorgten für einen gleichfalls gruselige und geschichtsträchtige Atmosphäre, bewegten den ausgewiesenen Landschafts- und Naturfotografen aber nicht dazu, seine Kamera und sein Stativ im Innern der Ruinen in Stellung zu bringen und sich passende Motive zu suchen. Nach der kurzen Inspektion, die auch dazu diente, das Areal zumindest für die nächsten Stunden als zuverlässig „eisbärenfrei“ zu klassifizieren, verließ auch das Rollei Team wieder die windschiefen Gemäuer.

Markantes Bauwerk

Als markantestes Bauwerk des heutigen Geisterorts bleibt Thomas Güttler hingegen der hölzerne Anleger sehr in Erinnerung, der mit einem einfachen, mittlerweile komplett dachpfannenfreien, Schuppen abschließt. In Kombination mit der bizarren und schroffen Oberfläche des zugefrorenen Wassers des Isfjords und der untergehenden Sonne ergab sich eine sehr stimmungsvolle Szenerie. Dies wurde von den Teilnehmern der Rollei Expedition gleich ganz pragmatisch als passender Hintergrund für Produktfotos der enorm widerstandfähigen und kälteunempfindlichen Lion Rock Stative genutzt.

Das Lion Rock Stativ

Insbesondere die speziell geformten Stahl-Spikes der Profi-Stative eignen sich hervorragend für den Einsatz auf granithartem Gletschereis. Jede Spike-Spitze bohrt sich im passenden Winkel ins Eis und sorgt somit auch unter widrigsten Umweltbedingungen für einen wirklich bombenfesten Stand.

„Slow-Fotografie“

Für die Aufnahmen am Fjord-Strand ließ sich Thomas Güttler ganz bewusst viel Ruhe – genoss erst einmal die Vorzüge der „Slow-Fotografie“, stellte dann aber überrascht fest, dass er bei seiner Tätigkeit von keiner der gewohnten Geräuschquellen gestört wurde.

In der Umgebung der zerfallenen Geisterstadt fährt kein Auto, rauscht kein Zug vorbei, bettelt angesichts des Funklochs kein Smartphone um Aufmerksamkeit. Vögel sind auch keine unterwegs, die Eisbären halten sich im gebührendem Abstand. Schweigt man dann auch noch selbst, wird man von der absoluten Stille fast schon „erschlagen“ – hält man aber wacker ein wenig aus, schleichen sich nach einer Weile dann doch ein paar Naturgeräusche ins Ohr.

Thomas Güttler nahm zuerst ganz leise das Knirschen des Eises wahr, das durch die Bewegungen des darunterliegenden Fjordwassers sanft gegeneinander geschoben wurde. Bemerkte dann aber auch das fast unmerkliche Plätschern der Wellen. Diese beeindruckende Abwesenheit zivilisatorischer Ablenkungen wird der Rollei Geschäftsführer sein Leben lang nicht mehr vergessen.

In Kombination mit der fast unendlichen Schnee- und Eiswüste von Spitzbergen rührte die Ruhe den erfahrenen Globetrotter fast zu Tränen. Nichtsdestotrotz schoss der Fotoprofi noch ein paar beeindruckende Produktfotos und trat dann auch bald die Rückfahrt an, da selbst der dick ausgepolsterte Arktis-Overall für ein stundenlanges Genießen des Augenblicks einfach nicht gemacht wurde und die klirrende Kälte sich irgendwann ihre mikroskopisch feinen Wege durchs Material suchte und fand.

Tag 5 „Arctic Silence“

Nachdem Rollei-Geschäftsführer Thomas Güttler im vierten Teil dieser Blogartikelserie nahe der verlassenen, ehemaligen russischen Bergarbeitersiedlung Grumant schon die fast perfekte „Arctic Silence“ genießen konnte, traf er am fünften Tag auf einem Gletscher bei Svea dann auf die ultimative und ungestörte Stille …

Tagesexpedition nach Svea

Nach den ersten vier Tagen auf Spitzbergen verfügte das Rollei-Team mittlerweile über genug Routine im Umgang mit den doch etwas eigenwilligen Schneemobilen. Somit konnte am Morgen des nunmehr fünften Tages nach einem ausgiebigen Frühstück und dem sorgfältigen Zusammenpacken der wertvollen Foto-Ausrüstung ein ziemlich anspruchsvoller Ausflug über das zugefrorene Nordpolarmeereis in Angriff genommen werden.

Das Ziel der Tagesexpedition, die südlichste Ansiedlung auf Spitzbergen, verfügt wie alle Orte der Inselgruppe über keine direkte Straßenanbindung. Am einfachsten kommt man nach Svea mit dem Schneemobil – dem Standard-Individualverkehrsmittel der Spitzbergener – über das durchweg tragfähige Eis des Van Mijenfjords. Obwohl das Team unter Leitung eines erfahrenen Führers die Stärke des Eises regelmäßig kontrollierte, war Thomas Güttler angesichts einiger Risse und Löcher dann doch manchmal ein wenig mulmig zumute.

Der Ort Svea

Im Gegensatz zu fast allen anderen Orten auf Spitzbergen liegt Svea nicht am Isfjord. Bis zur „vorläufigen“ Einstellung der Kohleförderung im Jahre 2016 beherbergte Svea bis zu 200 Menschen, die drei Wochen am Stück in der Grube „Svea Nord“ arbeiteten und dann zwei Wochen Freizeit mit ihrer Familie in Longyearbyen verbringen konnten.

Heute leben nur noch wenige Menschen im Ort. Der Hafen hingegen ist noch in Betrieb. Die rasante Fahrt über die schier unendlichen Weiten der Eiswüste des Van Mijenfjords dokumentierte das Team mit der Rollei Actioncam 560 Touch, die über eine ausgefeilte Bildstabilisierungsfunktion und eine robuste Fernbedienung mit Handgelenkgurt verfügt. Perfekt für die intuitive und sichere Bedienung am Steuer eines Schneemobils.

Nach der Ankunft in Svea fanden die Teilnehmer der Rollei Arktis-Expedition direkt zwei sehr vielversprechende Foto-Spots: direkt am „Strand“ von Svea eröffnete sich dem Team um Thomas Güttler ein überwältigender Ausblick auf die Ausläufer des Fjords über unregelmäßig verteilte Spiegelflächen der zugefrorenen Wasseroberfläche, der dann unter fachmännischem Einsatz der passenden Rechteckfilter sein volles Potential entfalten konnte.

Eisige Stille

Nach einem ausgiebigen Shooting machte sich das Team angesichts des nahenden Sonnenuntergangs auf, pünktlich das Plateau des örtlichen Gletschers zu erreichen. Hier traf Thomas Güttler dann auf das nächste Level der „Arctic Silence“.

Waren in Grumant noch das Knirschen des Packeises und das leise Plätschern des Wassers zu hören, wurden die Mitglieder des Rollei-Teams von der kompromisslosen Stille der Umgebung nun förmlich umzingelt. Unter ihnen Unmassen von Polareis, über ihnen die flugzeug- und im wahrsten Sinne des Wortes „vogelfreie“ Unendlichkeit des Himmels. Um sie herum kein anderes Lebewesen – stiller und einsamer kann man sich wohl kaum auf einen majestätischen und ungemein farbenfrohen Sonnenuntergang vorbereiten.

Farbenreicher Sonnenuntergang

Nachdem die Kameras auf den robusten Rollei Lion Rock Stativen „in Stellung“ und im rapide abnehmenden Tageslicht mit den Profi Rechteckfiltern versehen wurden, tauchte der planmäßige Abgang der Polarsonne die vermeintlich einfarbige Schnee- und Eislandschaft in satte Orange-, Blau- und Violett-Töne.

Dieser Sonnenuntergang gehörte nach der Überzeugung von Thomas Güttler zu den bewegendsten und eindrucksvollsten Momenten, die er als Fotograf jemals erleben durfte.

Sich in einer nach allen Richtungen scheinbar unendlich ausdehnenden und von Menschen fast völlig unberührten Naturlandschaft zu befinden – und doch den perfekten Kamerastandort für einzigartige Aufnahmen und Langzeitbelichtungen gefunden zu haben, sorgte beim gesamten Team für eine so tiefgehende Zufriedenheit, dass die anstrengende Rückfahrt durch die arktische Kälte Spitzbergen fast wie im Flug verging.

 

Tag 6 – Abschied bei rauem Wetter

Der sechste und bereits letzte Reisebeitrag dieser Blogartikelserie über die Rollei „Arktis-Expedition“ im Frühjahr 2018 zeigt das Polarwetter von seiner unwirtlichsten und wildesten Seite. Dies lässt Rollei Geschäftsführer Thomas Güttler aber auch ein wenig wehmütig Abschied nehmen von dieser wirklich einzigartigen Landschaft …

Der letzte Expeditionstag

Die ersten fünf Tage hatten die Rollei Teammitglieder das Glück, das eigentlich unberechenbare Polarwetter fast durchgehend von seiner angenehmeren Seite kennenzulernen. Frühlingshafte Unbeschwertheit und Temperaturen im zweistelligen Plusbereich sind sogar während des „Hochsommers“ nicht zu erwarten. In der Regel klettern selbst im August die Quecksilbersäulen der örtlichen Thermometer nicht über 6 bis 7 Grad Celsius.

Nichtsdestotrotz wurden die Schneemobil-Ausflüge bis dahin von Fotografie-freundlicher Sonne bzw. aufgelockerter Bewölkung begleitet. Am sechsten und letzten „kompletten“ Tag auf Spitzbergen schien es Thomas Güttler aber fast so, als wollte der Nordpolarkreis das Rollei-Team nicht auf die Rückreise entlassen, ohne zumindest einen kleinen Vorgeschmack der Macht der Witterung vermittelt zu haben.

Auch an Tag 6 stand ein Ausflug mit den Motorschlitten auf dem Programm. Praktischerweise führte die Tour über das tiefgefrorene Gewässer des „Hausfjords“ des Hauptortes Longyearbyen. Routiniert wurde – wieder nach einem sehr ausgiebigen Frühstück und einigen Bechern Kaffee – die Fotoausrüstung in die Rollei-Rucksäcke gepackt. Die temperaturunempfindlichen Rollei Lion Rock Stative wurden zusammengefaltet und in ihren Transport- und Aufbewahrungstaschen verstaut. Und dann konnte bei einsetzendem Schneetreiben und wirklich arktischen Minusgraden die Motoren der Schneemobile gestartet werden.

Mittlerweile beherrschten Thomas Güttler und Begleitung die favorisierten Fortbewegungsmittel der Spitzbergener fast schon im Schlaf. Während der Fahrt auf dem Eis des Isfjords sollte man aber unabhängig von der persönlichen Motorschlitten-Erfahrung immer noch sehr vorausschauend und konzentriert fahren. Ein zugefrorener Fjordausläufer ist eben doch keine ausgebaute und regelmäßig gewartete sechsspurige Autobahn.

Spannungen im Eis oder andere Ursachen können regelmäßig zu Rissen oder Löchern führen, die einem vielversprechenden Schneemobil-Ausflug ein jähes und katastrophales Ende bereiten können. Entsprechend umsichtig war das Rollei-Team unterwegs und erreichte  – auch dank des erfahrenen Guides – unbeschadet die verschiedenen Spots.

Sturmtag fotografisch festhalten

Als leidenschaftlicher Naturfotograf war Thomas Güttler tatsächlich auch erleichtert, dass er noch am letzten Tag „gerade noch eben“ die Gelegenheit bekam, die ganze Bandbreite des Nordpolarwetters miterleben zu können. Zwar „pfiff“ während des gesamten Tages ein ordentlicher Wind mit ausgiebiger Schnee-Unterstützung und die Temperaturen sanken noch ein gutes Stück weiter nach unten.

Aufgrund ihrer guten Vorbereitung und der Qualität des gesamten Materials – von der Fotoausrüstung über die Transportbehältnisse bis zu den beeindruckend „kuscheligen“ Overalls – konnte sich das Rollei-Team wieder ausschließlich auf die Motive und deren möglichst spektakulären Ablichtung konzentrieren.

Thomas Güttler stellte zum Ende der Reise erstaunt fest, dass er wohl tatsächlich öfter schwitzte als dass er frieren musste. Um die besondere Stimmung dieses letzten Sturmtags im ewigen Eis des Nordpolarkreises fotografisch festzuhalten, bot sich die Filter-unterstützte Langzeitaufnahme an. Dies ist eine der ausgewiesenen Lieblingsdisziplinen von Fotoprofi Thomas Güttler. Die Windgeschwindigkeit sorgt dabei für spannende Strukturen am Himmel. Das Schneegestöber wird durch die längere Belichtungszeit vollständig eliminiert:

Unerwartetes Spektrum an Farben

Ein weiteres Phänomen, das sich vielen Spitzbergen-Besuchern während der „weißen“ Jahreszeit präsentiert, ist eben die farbliche Bandbreite der vermeintlich monochromen Schnee- und Eislandschaft. Je nach Sonnenstand, Bewölkung oder Witterung wandelt sich die eigentlich „farblose“ Umgebung zu einer Leinwand, die das gesamte Farbspektrum einschließlich sämtlicher Pastellabstufungen darzustellen in der Lage ist.

In Kombination mit der tiefen Stille und der Einsamkeit in den Weiten der „tiefgefrorenen“ Inselgruppe Spitzbergen brennt sich diese unverwechselbare Wahrnehmung fest und dauerhaft in die Erinnerung der Besucher ein:

Fazit

Selbst nach fast einem Jahr leuchten immer noch unübersehbar die Augen von Thomas Güttler, wenn er von dieser überwältigenden Expedition ins Nordpolarmeer berichtet. Dabei beeindruckte den Rollei-Geschäftsführer und weitgereisten Landschaftsfotografen auch die im nachhinein doch erstaunliche Unkompliziertheit dieser Reise.

Zugegeben: Planung, Vorbereitung und der Flug über mehrere Zwischenstopps nach Longyearbyen waren erheblich aufwendiger und komplexer als ein Pauschalwochenende auf der bei den Deutschen beliebtesten Baleareninsel. Nichtsdestotrotz muss nach der Aussage von Thomas Güttler sich niemand vor einer vergleichbaren Tour „fürchten“.

Mit der Unterstützung eines erfahrenen Inselführers und unter Inanspruchnahme des schon legendären Erfindungsreichtum und der Hilfsbereitschaft der Spitzbergener Bevölkerung sollten selbst Fotografen auf ihre Kosten kommen, die sich normalerweise eher in tropischen Regionen richtig wohl fühlen. Wer sich früh und gut vorbereitet, bei seiner gesamten Ausrüstung Wert auf Robustheit und einen Mindestqualitätsstandard legt und auch bereit ist, sich immer wieder überraschen zu lassen, wird von einer Spitzbergen-Reise ähnlich unvergessliche Erinnerungen mitbringen können.

Zum Abschluss

Die eigentliche „Reiseberichterstattung“ ist hiermit leider nun vorbei. Wir möchten Ihnen aber auch nicht einfach nur den „Mund wässrig gemacht“ haben.

Damit Sie Ihre Begeisterung für diese einzigartigen Foto-Spots im Speziellen und die Fotografie in der Kälte im Allgemeinen auch in der Praxis umsetzen können, haben wir für Sie noch ein zusätzliches „Goodie“ vorbereitet – am nächsten Mittwoch finden Sie hier einen Special-Beitrag zum Thema „Fotografieren bei klirrender Kälte“.

Arktis-Special: Fotografieren bei klirrender Kälte

Über 6 Wochen lang konnten Sie die einzelnen Etappen der Rollei Nordpolar-Expedition verfolgen. Sie haben Rollei Geschäftsführer Thomas Güttler auf der Fahrt über den zugefrorenen Isfjord begleitet, die mystische Stimmung der ehemaligen Bergarbeiterstadt Grumant miteingefangen und sich von der allumfassenden „Arctic Silence“ auf dem Plateau des Gletschers bei Svea beeindrucken lassen. Als Goodie und kleines Dankeschön für Ihre Treue möchten wir Ihnen heute vier wertvolle Tipps aus der Praxis geben. Damit können Sie auf Ihrem nächsten Spitzbergen-Ausflug – aber auch im Rahmen Ihres „normalen“ Outdoor-Shootings im Winter – das bestmögliche Ergebnis erzielen und unnötige Fehler vermeiden …

Tipp Nr. 1: Wie Sie selbst bei minus 20 Grad mit warmen Händen fotografieren

Der erste Tipp dreht sich weniger um technische Details oder Vorgehensweisen, sondern deckt erst einmal die absoluten „Basics“ ab. Denn mit blau angelaufenen und vor Kälte erstarrten Fingern scheitert man bereits bei der Montage der Fotoausrüstung auf dem möglichst witterungsunempfindlichen Stativ.

Thomas Güttler trug während der Fahrt zu den verschiedenen Foto-Spots die dick gefütterten Fäustlinge, die das Rollei-Team zusammen mit den praktischen Overalls bei der Übernahme der Leih-Motorschlitten ausgehändigt bekam. Diese eignen sich verständlicherweise hervorragend zur Steuerung der flinken Schneemobile, machten aber aufgrund ihrer „Bauweise“ bei der Bedienung der empfindlichen und kleinteiligen Fotoausrüstung keine gute Figur. Dementsprechend zog sie Thomas Güttler nach der Ankunft am geplanten Kamerastandort aus, um die Fotoausrüstung einsatzbereit zu machen und die erforderlichen Einstellungen vorzunehmen.

Bei über 20 Grad minus dauerte es dann nur wenige Minuten, bis sich das Gefühl erst aus den Fingerspitzen verabschiedete und binnen kürzester Zeit die beiden Hände angesichts der klirrenden Kälte anfingen zu schmerzen. Glücklicherweise hatte der reiseerfahrene Fotoprofi vor dem Abflug nicht vergessen, ein paar Touchscreen-taugliche Lederhandschuhe einzupacken. Diese waren zwar nicht so dick gepolstert wie die Schneemobil-Fäustlinge, aber so weit geschnitten, dass jeder Einzelne noch ein Heat-Pack aufnehmen konnte.

Vor der Abfahrt zu den jeweiligen Foto-Locations knetete der Rollei Geschäftsführer die Heat-Packs ordentlich durch und aktivierte auf diese Weise die Wärme-Abgabe, packte sie in die ledernen Fingerhangschuhe, zog diese an und die Fäustlinge darüber. In dieser Kombi konnte Thomas Güttler sowohl das Schneemobil durch den eisigen Wind steuern – und ohne die Fäustlinge seine Ausrüstung wie gewünscht bedienen. Kalte Finger waren für den Rest der Reise somit passee. Der leidenschaftliche Landschaftsfotograf musste sogar schon fast aufpassen, dass ihm nicht zu warm wurde …

Tipp Nr. 2: Spikes nicht vergessen – sowohl für die Schuhe als auch fürs Stativ

Das Rollei Team war im Frühjahr 2018 auf Spitzbergen. Zu dieser Jahreszeit regt sich auf dem europäischen Kontinent wieder die Natur – Pflanzen und Tiere wachen aus ihrem Winterschaf auf. Im Nordpolarkreis herrscht hingegen tiefster Winter, die Landschaft ist von einer dauergefrorenen Eis- und Schneedecke eingehüllt.

Um sich nach Verlassen des Hotels einigermaßen sicher auf den eigenen Beinen fortzubewegen, gibt es zu den robusten Spikes-Überzieher für die Winterstiefel eigentlich keine ernstzunehmende Alternative. Thomas Güttler war sich am ersten Tag auf Spitzbergen nichtsdestotrotz nicht hundertprozentig sicher, ob er dieses Ritual wirklich jeden Morgen abhalten müsse.

Nach den ersten zaghaften Schritten ohne Spikes ließ er sich aber schnell eines Besseren belehren und freute sich die folgenden Tage über das unkomplizierte Gehen – selbst über spiegelglattes Gletschereis. Aber nicht nur der Fotograf, sondern auch die Kamera sollte auf standfesten und sicheren Beinen stehen. Die eingesetzten Rollei Lion Rock Outdoorstative der Mark II Generation verfügen über speziell abgewinkelte Spikes aus Spezialstahl, die sich im perfekten 90°-Winkel in Eis, Schnee und Felsen bohren.

Tipp Nr. 3: Kamera-Akkus gehören an den Körper

Der dritte Tipp erscheint auf den ersten „Blick“ vielleicht manchem erfahrenen Outdoor-Fotografen zu banal oder sogar als „alter Hut“. Nichtsdestotrotz gerät man bei Missachtung schnell in die unangenehme Situation, dass man an der Traum-Location beim perfekten Wetter und exakt ausgerichtetem Stativ mit Müh‘ und Not vielleicht noch ein oder zwei Bilder schießen kann – bevor sich die sehr kälteempfindlichen Akkus in den vorübergehenden Winterschlaf verabschieden.

Thomas Güttler musste während der Nordpolarreise auch einmal selbst diese wirklich unangenehme und vermeidbare Erfahrung machen – und transportierte dann alle Akkus in der Tasche der Kleidung, die er unter dem Overall trug.

Extra-Tipp: Die sehr empfindliche Kamera sollte nach dem Shooting ebenfalls so schnell wie möglich wieder in der schützenden Kameratasche oder im Foto-Rucksack verstaut werden. Das Team hatte erwartungsgemäß passende Rollei-Modelle mit dabei – die sich dann im harten Nordpolar-Einsatz durchweg bewährt haben.

Tipp Nr. 4: der Kamera Zeit zum Akklimatisieren lassen

Sie haben Ihre Kamera – gemäß Tipp Nr. 3 – unmittelbar nach der Aufnahme (und idealerweise auch während längerer Pausen in der Kälte) vorbildlich in Ihren gut gepolsterten Kamerarucksack gepackt. Nun kommen Sie nach einer mehr oder weniger langen Rückfahrt wieder in die geheizte „Basisstation“ zurück.

Machen Sie jetzt bitte nicht den Fehler, Ihre Fotoausrüstung direkt auszupacken und mit ihr ausgiebig „herumzuhantieren“. Sie sollten maximal und sehr zügig den Akku wechseln und die Speicherkarte entfernen – und dann die Kamera wieder im Transportbehältnis verstauen. Nach ein paar Stunden hat sich Ihre Fotoausrüstung dann entsprechend akklimatisiert. Sie brauchen nun nicht mehr zu befürchten, dass Optiken beschlagen oder Feuchtigkeitsschäden durch Kondenswasser-Bildung entstehen.

Fazit zum Fotografieren bei Kälte

Wir hoffen, das wir Ihnen mit diesem „Goodie“ zumindest ein oder zwei hilfreiche Tipps geben und Sie motivieren konnten, auch bei eher unangenehmen Außentemperaturen Ihre Shooting-Ideen anzugehen. Diese kurze Tipps-Sammlung erhebt natürlich kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Vielmehr möchten wir gerne Ihre eigenen Tipps und Tricks kennenlernen und in der Community teilen – wie lauten Ihre persönlichen Insider-Tipps, um selbst bei klirrender Kälte wirklich beeindruckende Fotos zu schießen?

Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns!

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