Workshop: Unterwasser-Fotos im Studio mit Manfred Zentsch – Teil 3

In den beiden vorherigen Teilen der Blogartikelserie zum Workshop "Unterwasser-Shooting im Studio" konnten Sie sich erst einmal über die technischen Hintergründe des mit 9 Kubikmetern Wasser gefüllten Tanks informieren – und erfuhren dann auch, in welchen Phasen sich die Workshop-Premiere im Heidelberger Industriepark Ehrenfried aufteilte. Im heutigen dritten und bereits letzten Teil möchten wir Ihnen ein paar Eindrücke und Erkenntnisse der Teilnehmer weitergeben und beziehen auch die notwendigen Nachbearbeitungsschritte mit ein …

Unterwasserworkshop Finales Bild

Um es gleich vorweg zu nehmen: keine/keiner der Teilnehmerinnen und Teilnehmer plante, sich direkt nach der Heimreise selbst an die Errichtung eines eigenen Unterwasser-Shooting-Tanks zu machen. Die Entscheidungen, diesen wirklich einzigartigen Workshop in Heidelberg zu buchen, speisten sich aus ganz anderen Motivationen. Ein Großteil der Anwesenden erfuhr tatsächlich erst aus der Fachzeitschrift FOTOHITS vom Indoor-Unterwasser-Studio und waren einerseits schlichtweg neugierig, welche Steine Profifotograf Manfred Zentsch aus dem Weg räumen musste, um seinen lang gehegten Traum zu verwirklichen – andererseits versprachen sie sich aber auch eine inspirierende Abwechslung von ihrer "normalen" Foto-Praxis und wollten gleichfalls herausfinden, welche Ergebnisse sie beim durchaus anspruchsvollen Live-Shooting im Studio mit ihren eigenen Kameras erzielen würden. Nach den verschiedenen Durchgängen mit wechselnden Aufgabenstellungen zeigten sich aber ausnahmslos alle Teilnehmer vom Ablauf und ihren Ergebnissen begeistert – und bewunderten ebenfalls das Durchhaltevermögen und den Gleichmut des Unterwasser-Models Katharina.

Zwischen den Sessions und natürlich auch nach dem Praxisteil gab es zahlreiche Gelegenheiten, sich miteinander auszutauschen – und fachkundiges Feedback zu geben und zu erhalten. Alle Teilnehmer agierten im Verlauf des Workshops von Session zu Session immer routinierter und proaktiver. Waren die anwesenden Fotografinnen und Fotografen anfangs noch sehr damit beschäftigt, die passenden Kameraeinstellungen zu finden und auszuprobieren, beanspruchte selbst im finalen Shooting, das fast in kompletter Dunkelheit stattfand, das Herstellen der Einsatzbereitschaft wesentlich weniger Zeit und Feedback von Manfred Zentsch. Auch das Dirigieren des Models, das natürlich nur in der relativ kurzen "Lufthol-Phase" akustisch überhaupt aufnahmefähig war, gestaltete sich mit zunehmender Praxis immer klarer und zügiger.

Der Wassertank

Die Teilnehmer nutzten die Pausen zwischen ihren Einsätzen dann auch sehr engagiert, um Behind-the-Scenes-Fotos zu schießen – und während des Shooting das Potential der Rollei Funkfernbedienungen für die drei HS Freeze 6 Studioblitze immer weiter auszuschöpfen. Vor der Post-Production-Phase, die dann im Obergeschoß des Indigo-Studios von Manfred Zentsch stattfand, hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Zeit und Muße, die bisherigen – und nach einhelliger Meinung viel zu schnell verflogenen letzten Stunden – Revue passieren zu lassen. Während der Studioinhaber den Inhalt aller Speicherkarten für die nachfolgende Sichtung geschlossen auf seine zentrale Festplatte lud, waren Statements wie "Das hat sich jetzt schon gelohnt" und "Tolle Inspiration und Blick über den Tellerrand" zu hören. Einige Anwesenden freuten sich auch, endlich mal Funktionen ihrer Kamera "live und in Farbe" ausprobieren zu können, die bisher einfach noch nicht angemessen ausgereizt werden konnten. Weiterhin wollten sich die Fotografen, die sich vorwiegend mit Porträts beschäftigen, mehr über die mobilen und leistungsfähigen Rollei HS Freeze Profi-Studioblitze – und natürlich auch über die verschiedenen Stativ-Familien – erfahren.

Nachbearbeitung

Als dann alle Fotos – etliche Teilnehmer hatten etliche Hundert Bilder geschossen – auf dem Bearbeitungs-Server von Manfred Zentsch lagen, ging es beispielhaft an die notwendige Post-Production. Dabei standen nicht die Verfremdung oder das Hinzufügen von Effekten im Vordergrund. Bedingt durch die optischen Rahmenbedingungen und die technischen Restriktionen standen einige Maßnahmen auf der To-Do-Liste, die bei diesem sehr speziellen Set-up einfach nicht außer Acht gelassen werden können, um zufriedenstellende Ergebnisse mit nach Hause nehmen zu können:

  • Farbkorrektur – Da Manfred Zentsch echtes Glas für den Bau des Wassertanks verwendete, muss der leichte Grünton des ansonsten hochtransparenten Materials ausgeglichen werden. Diese minimale Färbung hätte nur unter Verwendung von erheblich teurerem und dickerem Plexiglas erheblich reduziert werden können. Da dieser Grünhauch aber vergleichsweise einfach korrigierbar ist, verzichtete der Profifotograf verständlicherweise auf unnötige Mehrkosten.
  • Optische Verzerrung – Wasser sorgt durch seine Molekularstruktur für eine Brechung der Lichtstrahlen, die vom Strahlenverlauf bei "normaler" Luft abweicht. Der 70 cm breite Wassertank wirkt wie eine überdimensionierte Leselupe – und benötigt daher auch eine entsprechende Korrektur.
  • Kontrast und Schärfe – bedingt durch die Bewegung des Models und die optischen Besonderheiten des Tanks bietet es sich an, mit manuellem Fokus und einer Schärfentiefe zu arbeiten, die ungefähr der breite des Tanks entspricht. Sollen bestimmte Bereiche des Motivs dagegen mehr in den Hintergrund geraten oder mit mehr Kontrast versehen werden, sind natürlich auch entsprechende Nachjustierungen erforderlich.
  • Weichzeichnung – Model Katharina setzte die beiden sehr dekorativen Stoffbahnen wohlweislich erst zum Ende des Shootings ein. Naturtextilien verlieren kontinuierlich Material – und "flusen" natürlich auch unter Wasser aus. Die Fusseln trüben das Wasser nach und nach immer weiter ein und sorgen dafür, dass das Blitzlicht von Millionen kleinster Schwebeteilchen reflektiert wird. Um diesem Prozess entgegenzuwirken, bietet sich das leichte Weichzeichnen "belasteter" Regionen an.
  • Hintergrund in neuer Ebene – Die Hintergrund-Projektion verschwindet aufgrund der Wasser-Eintrübung dann natürlich auch ein wenig – hier legt Fotograf Manfred Zentsch das jeweilige Hintergrundbild als neue Ebene im Bildbearbeitungsprogramm in Teilen über das Motiv, löscht es hier und da oder passt die Transparenz an.

Fazit

Die sechs Stunden des Unterwasser-Studioworkshops von Manfred Zentsch gingen tatsächlich wie im Fluge vorbei – hinterließen bei allen Teilnehmern aber zahlreiche neue Erkenntnisse und spannende Inspirationen. Wer gerade nicht hinter der Kamera stand, hatte auch noch zahlreiche Gelegenheiten, sich mit dem erfahrenen Studiobesitzer und den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern auszutauschen. Die facettenreichen Eindrücke dieses Samstags in Heidelberg werden wohl noch lange in Erinnerung bleiben und nachhaltigen Einfluss auf die tägliche Fotopraxis der Anwesenden haben.

Fotograf: Manfred Zentsch

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