Fotografie von Städten & Sehenswürdigkeiten Teil 5: Städte-Fotografie – Köln: Warum ist es am Rhein so schön?

Im fünften Teil unserer „Serie: Fotografie von Städten und Sehenswürdigkeiten“ zieht es uns an den Rhein, genauer gesagt nach Köln. Natürlich gibt es nicht nur in der Domstadt beeindruckende Ausblicke auf den bekanntesten deutschen Strom, aber hier konzentrieren sich sehr viele Sehenswürdigkeiten und tolle Perspektiven. Darum ist es in Köln am Rhein eben ganz besonders schön.

Die Städte-Fotografie Köln

Sie haben ja in den vorhergehenden Blogbeiträgen dieser Artikelserie schon unsere Vorliebe für nächtliche Panoramen und Langzeitbelichtungen kennengelernt. Natürlich bietet auch die Rhein-Metropole entsprechende Ansichten, auf die wir keinesfalls verzichten werden. Daher fangen wir diesmal direkt damit an.

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Köln war schon zur Römerzeit ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Auch heute noch zählt das Straßen- und Schienenverkehrsaufkommen zu einem der größten der gesamten Bundesrepublik. Die Rheinbrücken verdrängten die Fähren als wirtschaftlich relevante Verkehrsmittel und stellen auch bei Nacht beeindruckende Motive zur Verfügung.

Köln, Hohenzollernbrücke 500px

Eine der ältesten Brücken in Köln, die Hohenzollernbrücke von 1911, wurde ursprünglich als kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke gebaut, nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau 1945 fahren auf den drei Einzelbrücken nur noch Züge, an den Außenseiten kommen aber immer noch Fußgänger und Radfahrer über den Rhein. Die Brücke eignet sich hervorragend für Langzeitbelichtungen, da die Bogensegmente mit warmen Licht illuminiert, die durchrasenden Zügen aber eher mit kühleren Farben beleuchtet werden. Je nach Geschwindigkeit der verschiedenen Zug-Kategorien ergeben sich beeindruckende Panoramen vor historischer Kulisse und unterschiedlich stark geglättetem Rhein.

Die Kölner verstehen es eben vortrefflich, ihre Metropole stets ins recht Licht zu rücken und halten natürlich auch nicht mit einem der bedeutendsten Pfründe in der Liste der Sehenswürdigkeiten, dem Kölner Dom, zurück.

Köln, Dom & Hohenzollernbrücke 500px

Durch die Langzeitbelichtung reduziert man auch die Auswirkungen des Schiffsverkehrs auf dem Wasser, die auch in den späten Stunden nicht mehr so störend sind.

Allgemein bietet sich für die Architekturfotografie die Langzeitbelichtung an, wenn wirklich nur das Bauwerk im Mittelpunkt stehen und die Szenerie komplett von Menschen, Tieren und Fahrzeugen befreit werden soll. Man sucht sich eine Position, die nicht nur einen guten Aufnahmewinkel erlaubt, sondern auch über längere Zeit störungsfrei gehalten werden kann. Langzeitfotografie ist schon aus Prinzip kein Ex-und-Hopp-Geschäft, viele Fotografen suchen sehr sorgfältig nach dem perfekten Standort, bevor sie ihre Kamera überhaupt einschalten. Hier spielen mehrere Kriterien eine Rolle:

  • Der Untergrund sollte für das Stativ geeignet sein, erfahrene Fotografen haben beispielsweise ein Outdoor-Stativ dabei, das über auswechselbare Füße verfügt, damit sie, gerüstet mit Spikes, Gummifüßen und Spreiztellern, nicht mehr so stark von der Beschaffenheit des Bodens abhängig sind.
  • Dann kommt es auch darauf an, dass die Kamera mit Objektiv und Filtern auf dem Stativ nicht plötzlich irgendeinem Gegenstand oder irgendwelchen Menschen im Wege steht. „Observieren“ Sie den geplanten Standort sicherheitshalber ein wenig oder verschaffen Sie sich Informationen über mögliche Störungen. Bleiben Sie nah bei Ihrer Kamera und gehen Sie regelmäßig in Richtung Kamera, damit Vorbeigehende und –fahrende verstehen, dass Sie gerade ein Bild machen und Ihre Aufnahme möglichst geringfügig stören. So würden Sie zum Beispiel idealerweise nicht mit einer klassischen Aufnahme starten:

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  • Achten Sie auch darauf, dass insbesondere bei Dunkelheit keine starke oder dauerhafte Lichtquelle in den Objektivgang fallen kann. Nichts ist ärgerlicher als wenn in den letzten 10 Sekunden der Langzeitbelichtung ein Autoscheinwerfer genau ins Objektiv strahlt und die Aufnahme ruiniert

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Wenden wir uns nach diesem kleinen Ratgeber-Teil wieder der ehemaligen Hansestadt Köln zu. Tatsächlich gehörte die jetzt bevölkerungsreichste Stadt von Nordrhein-Westfalen der Hanse an, aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung des Freihandels in Köln eigentlich nicht besonders verwunderlich.

Köln, Dom & Hohenzollernbrücke 2 500px

Direkt neben den Gleisen der Hohenzollernbrücke liegt der relativ neue Musical Dome und steuert zum warmen Orange der Bogenbrücke und dem neutralen Weiß des Doms eine dritte, eher intensive und technokratische Illumination bei. In diesem Trio haben wir dann Bauwerke aus unterschiedlichen Jahrhunderten versammelt. Wird dann noch störendes Beiwerk durch die Langzeitbelichtung entfernt, ergibt sich ein sehr beeindruckendes nächtliches Panorama am Ufer des Rheins. Woher die Hohenzollernbrücke ihren Namen hat, kann man auch tagsüber schnell erkennen, wenn man sich auf der anderen Rheinseite ein wenig die dazugehörigen Statuen anschaut.

Statue of Emperor Wilhelm II on horse of the member of Hohenzollern dynasty with beautiful blue sky background in Cologne, Germany

Diese geballte Motivvielfalt mag ein wenig darüber hinwegtäuschen, dass der Kölner Dom an sich natürlich zu den am meisten fotografierten Sehenswürdigkeiten Deutschlands gehört. Man könnte den Perspektiven und Blickwinkeln des UNESCO-Welterbes eine eigene Blogartikelserie widmen, so umfangreich stellt sich dieses Monument dar. Der Kölner Dom war sogar von 1880 bis 1884 das höchste Gebäude der Welt. Um die 157,38 Meter so spektakulär wie möglich abzubilden, bieten sich Weitwinkelobjektive an, die auch die Perspektive ein wenig verzerren.

Holiday in Germany - The Cologne Cathedral

In Kombination mit einem optionalen Polfilter lässt sich die Wolkenformation auch noch ein wenig dramatisieren. Selbstverständlich kann man hier auch hervorragend mit Verlaufs- oder Neutraldichte-Filter arbeiten, um eine andersförmige Wolkenbewegung zu erzeugen, gerade bei einer abwechslungsreichen Bewölkung.

Die Domplatte, eine moderne Betonkonstruktion rund um die gotische Kathedrale, verschafft Touristen, Besucher und natürlich Fotografen den nötigen Rahmen und ausreichend Abstand, um dieses monumentale Bauwerk überhaupt in Gänze erfassen zu können.

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Mit einer Langzeitbelichtung erhöht man die Kontraste, entfernt die Fußgänger und verwandelt den Himmel in einen mystischen Hintergrund. Ideal für diese Projekte sind natürlich ausklingende Regenschauer, die die Domplatte mit einer spiegelnden Oberfläche versehen. Aber die gotische/neugotische Kleinteiligkeit der Dom-Fassade lohnt auch Detail-Aufnahmen mit Teleobjektiven. Selbstverständlich unter Zuhilfenahme eines robusten Stativs, das auch obligatorisch für alle aufgeführten Varianten von Langzeitbelichtungen ist.

Portal and many statues of Cologne cathedral, Kölner Dom.

Aber wenden wir uns jetzt der „restlichen“ Stadt Köln zu, die noch einiges zu bieten hat. Ein Blick durch das Objektiv bei Dunkelheit und extrem langer Belichtungszeit lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Rhein-nahe Bebauung, genauer auf drei eher ungewöhnliche und futuristisch wirkende Gebäude.

Köln, 3 Häuser am Rhein 500px

Im Rheinau-Hafen, einem ehemaligen Zoll- und Hafengebiet, das jetzt für Büros und Wohnungen in allerbester Lage genutzt wird, stehen die drei Kranhäuser. Die wasserseitigen Überstände reichen bis an den Rhein heran. Mit entsprechender Belichtung sind hier schon fast Anmutungen an einen Raumhafen aus einem Science-Fiction-Film zu realisieren. Düsseldorf hat interessanterweise ähnlich auffällige, aber vollkommen anders konzeptionierte Gebäude an seiner Rheinseite. Aber dies ist wieder ein völlig anderes Thema.

Besonders angenehm kann man sich in den urbanen Ballungsräumen entlang des Rheins bewegen, ohne dass einem ein erwähnenswertes Motiv entgeht. Köln hat zwar auch andere Rheinbrücken, tatsächlich bietet keine eine so universelle Perspektive für allerlei Experimente wie die Hohenzollernbrücke. Interessant sind auch die unzähligen Liebesschlösser, die im Fußgängerbereich der Brücke über die Jahre angebracht wurden. Mittlerweile wird das Gewicht aller Schlösser auf ca. 22 Tonnen geschätzt, die Brücke selbst wiegt 24.000 Tonnen und kann dieses zusätzliche Metall locker mittragen. Leider sind aber schon ein paar Fluchttüren durch das Gewicht aus den Scharnieren gebrochen. Die Deutsche Bahn als Eigentümerin will diese, ursprünglich in Paris entstandene, Tradition aber weiter dulden, solange keine Sicherheitsprobleme entstehen. Sie haben also noch in absehbarer Zeit die Chance, ähnliche Fotos zu schießen und mit dieser Vielzahl von gleichartigen Objekten und Schärfe/Unschärfe spielen zu können.

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Bewegt man sich Richtung Altstadt, kommt der historische Hintergrund Kölns hervor. Der Kölner Dom ist beispielweise erst im 19. Jahrhundert fertiggestellt worden, diese Epoche prägte die Stadt am Rhein sehr und trug zum fröhlich-kecken Selbstbewusstsein der Kölner bei. Ein schönes Beispiel für die zeitgenössische Architektur bilden die Bürgerhäuser aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die sich in ihrer Farbenfreude für interessante und kontrastierende Perspektiven geradezu anbieten.

Cologne, Germany - December 15, 2015: Buildings with typical German architecture at the center of Cologne beside the river Rheine. Fish Markt is a popular part of the city with a lot of hotels, restaurants and pubs.

Im Hintergrund sieht man schon die romanische Kirche Groß St. Martin, die einen architektonischen Gegenpol zum Kölner Dom bildet. Direkt am Fischmarkt gelegen und dicht mit Häusern umbaut, prägt dieser Kirchenbau das linksrheinische Stadtpanorama Kölns.

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Natürlich hat Groß St. Martin auch eine Brücke in der unmittelbaren Nachbarschaft. Was für den Kölner Dom die Hohenzollernbrücke ist, bedeutet für Groß St. Martin die Deutzer Brücke. Lange nicht so hübsch und spektakulär gebaut, bietet diese Auto- und Fußgängerbrücke einen eher spröden, aber durchaus fotogenen Charme.

Cologne, Germany - December 1, 2012: KD cruise boat moared at the quay in Cologne, Germany. They offer a varieity of cruises on the Rhine with different themes and destinations

Die Rheinschifffahrt hat, in Bezug auf den Personenverkehr die direkte wirtschaftliche Bedeutung verloren, bringt aber immer noch Millionen Touristen auf den Fluss. Die Flotte der „Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt AG“ (noch mit zwei „f“) schippert Touristen rheinauf- und abwärts mit Schiffen wie der MS Asbach.

A view of cologne city at the rhine river in germany at spring. Taken outside with a 5D mark III.

Auch hier erzeugt eine längere Belichtungszeit interessante Effekte. Die altehrwürdigen Sakralbauten wirken durch diese Technik eher wie Spielzeughäuser oder das Diorama einer Miniatureisenbahnanlage.

Der Rheinlauf hat auf beiden Seiten sehr viele interessante Motive zu bieten. Natürlich nicht nur in Köln, aber hier geben sich weltbekannte Sehenswürdigkeiten ein einzigartiges Stelldichein. Dies macht es gerade auch Freunden der Langzeitbelichtungen leichter, mit dem doch sehr umfangreichen Equipment nicht allzu lange Strecken laufen zu müssen. Positioniert man sich an einigen „neuralgischen“ Punkten in Reichweite der Sehenswürdigkeiten, kann man innerhalb kürzester Zeit kreative und beeindruckende Aufnahmen einfangen, ohne die Ausrüstung zu oft aus- und wieder einpacken zu müssen.

Wenn es Sie also wieder einmal nach Köln führt, sollten Sie Ihren Fotorucksack auf jeden Fall dabeihaben und sich nach Sonnenuntergang dann mal in die Nähe einer der Rheinbrücken begeben…

 

Fotografen: Thomas Güttler, Olav Brehmer

5. August 2016 | Allgemein |

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