#ROLLEITUTORIALS: Sterne- und Sternschnuppenfotografie

Schon immer war der Nachthimmel faszinierend. Gigantische Lichter, die Ewigkeiten entfernt sind, leuchten hell am Firmament und bilden in ihren Konstellationen Bilder, um die sich Mythen und spannende Geschichten ranken. Auch fotografisch hat der Sternenhimmel einiges zu bieten und fordert dem Fotografen ein wenig Können ab. Um das notwendige Können geht es im folgenden Beitrag.

Zu jedem guten Bild ist ein wenig Planung von Nöten, um die Bildidee entstehen zu lassen und diese dann auch am Ende umzusetzen.

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Zu der Planung gehört die Wahl des Ortes, wo das Bild entstehen soll. Dabei kann man sich frei von irgendwelchen Zwängen den Ort suchen, an dem man gerne fotografieren möchte. Vorher sollte man einen Blick in das Internet geworfen haben, um zu schauen, wie stark die gewünschte Örtlichkeit von Lichtverschmutzung betroffen ist. Lichtverschmutzung ist der Begriff, der Störlichter beschreibt – von einer kleinen Lampe bis hin zu der Gesamtzahl der Lichter einer großen Stadt.

Entweder sieht man diese störenden Lichter direkt in Form von Punkten, als flächigen Bereich im Bild, oder oder aber am Horizont als Schein, der dann entweder schon mit bloßem Auge zu sehen ist oder spätestens auf dem Bild in der Kamera.

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Diese Effekte sind oft unschön und stören – Lichtverschmutzung eben. Neben der anthropogenen Lichtverschmutzung gibt es auch einen nicht zu unterschätzenden weiteren Störenfried für uns Fotografen, nämlich den Mond. Ist der Mond in der gewünschten Nacht am Himmel zu sehen und womöglich noch in seiner vollen Stärke, dann ist es ratsam eine andere Nacht auszuwählen, wenn man denn besonders viel Sterne im Bild haben möchte. Neumondnächte, in denen der Mond gar nicht auftaucht, eignen sich daher hervorragend.

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Möchte man allerdings ein Bisschen der Landschaft im Bild zum Vorschein bringen, dann eignen sich genau solche Nächte, in denen der Mond scheint, gut zum Fotografieren. Der Mond, den man dann hinter sich haben sollte, leuchtet dann die Landschaft vor einem schön aus und am Himmel sind dann zusätzlich die Sterne zu sehen. Mit etwas Übung entstehen dann surreal schöne Bilder.

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Bei Schnee sollte man zur Sicherheit einen Verlaufsfilter mitnehmen, da der Schnee am Boden sonst zu hell ausgeleuchtet werden könnte. Schiebt ihn einfach so in die Halterung, dass die Abdunkelung im Vordergrund geschieht.

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Nach der Planung sollte der Fotorucksack gepackt werden. Ich empfehle die Kamera einzustecken, die das beste Rauschverhalten hat. Die Akkus sollten gerade in kalten Nächten geladen sein. Im besten Fall sind natürlich noch geladene Ersatzakkus im Rucksack zu finden. Die Objektive sollten eine möglichst große Offenblende haben und einigermaßen weitwinklig sein. Blenden zwischen f/1,2 und f/4 eignen sich hervorragend. Die Brennweiten würde ich persönlich bei 50 mm abwärts ansiedeln. Ein Fernauslöser darf natürlich nicht fehlen. Idealerweise hat dieser noch eine schwache Beleuchtung, um die eingestellte Zeit auch im Dunkeln direkt sehen zu können und bei Belichtungszeiten von mehr als 30 s den Überblick über die verstrichene Zeit zu gewährleisten. Auch beim Auslöser sollte vorher geprüft werden, ob die Batterien voll sind. Für die Langzeitbelichtungen darf natürlich auch ein Stativ nicht fehlen. Es sollte sehr stabil sein, um ein verwackeln der Kamera und damit Unschärfen im Bild vorzubeugen. Je nach Belieben sollte auf dem Stativ ein Kugelkopf, Dreiwegeneiger oder ein Panoramakopf zu finden sein. Auch dieser sollte für die Kamera ausreichend dimensioniert sein. Nur wenn das Fundament der Kamera ordentlich hält, kann ich die Fotos machen, die ich mir vorstelle.

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Vorsichtshalber empfehle ich auch Verlaufsfilter einzustecken, um die Möglichkeit, den Vordergrund abzudunkeln zu gewährleisten. Zum Komfort sollte auch eine kleine Lampe Platz im Rucksack finden. Ideal sind dazu Stirnlampen mit Rotlicht, da dieses rote Licht nicht so extrem sichtbar ist und andere Fotografen nicht so sehr stört.

Nun kann es losgehen. Die angemessene Kleidung setze ich jetzt mal voraus. Vor Ort ist es hoffentlich sternenklar oder zumindest so, dass man mehr Sterne als Wolken sieht. Man baut nun seine Kamera auf, stellt den Autofokus und den Bildstabilisator aus und richte die Kamera bestmöglich aus. Ich persönlich mag es immer, wenn ich im Vordergrund noch Elemente habe, die das Bild etwas spannender machen, als es ein glatter Horizont tun würde.

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Nachdem der Bildaufbau gesetzt ist, versuche ich den Fokus auf die Sterne zu setzen. Hierzu gehe ich in den Liveview und suche mir einen möglichst hellen Stern, den ich mit Hilfe der Displaylupe suche und manuell so fokussiere, dass der Punkt auf dem Display so klein wie möglich ist. Dann ist der Stern scharf gestellt und ich kann weitere Einstellungen durchführen.

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Für die Fotos stelle ich an der Kamera den ISO Wert möglichst hoch ein, um den Sensor sehr lichtempfindlich zu bekommen. Dadurch kann ich das schwache Sternenlicht besser einfangen. Damit ist allerdings auch ein stärkeres Bildrauschen verbunden. Die Blende öffne ich so weit wie möglich, aus demselben Grund – das wenige Licht bestmöglich einzufangen.dsc_1662-large

Zum Schluss stelle ich mit Hilfe meiner gewählten Brennweite die Verschlusszeit ein. Bei APS-C Kameras sollte man 300 durch die Brennweite teilen, um dann die Maximale Verschlusszeit zu errechnen. Bei einer vollformatigen Kamera ist es 500 durch die Brennweite. Überschreite ich diese Verschlusszeit, dann mache ich die Erddrehung in meinem Bild sichtbar in dem die abgebildeten Sterne anfangen Streifen zu werden, anstelle von klaren Punkten. Dies kann man natürlich ganz gewollt nutzen, um sogenannte „Startrails“ zu erhalten.

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Der Weißabgleich sollte zwischen 3000 Kelvin und 4000 Kelvin liegen. Das ist im RAW Format, welches ich dringend für die Nachbearbeitung empfehle, nicht so wichtig, da man es im Nachhinein einstellen kann. Doch wenn wir schon vor Ort alles ordentlich machen, dann müssen wir später nicht mehr viel am PC basteln.

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Diese ganzen Einstellungen sind natürlich nur Richtwerte, die nicht zwingend genauso eingehalten werden müssen. Am besten ist es immer, wenn man vor Ort möglichst viel ausprobiert, um dann das persönliche Bestergebnis zu erhalten, denn Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

In diesem Sinne: Gutes Gelingen!

Fotograf: Alexander Ahrenhold
Autor: Alexander Ahrenhold

7. Dezember 2016 | Allgemein |

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