Capture the Wildlife, XXL-Folge 5: Tiere in der Nacht

Als begeisterte Wildlife-Fotografen freuen wir uns natürlich über knackig scharfe Bilder von verschiedenen Tierarten bei schönstem Sonnenschein vor stimmungsvollen Hintergründen. Dass uns am Tag aber knapp die Hälfte der Wildtiere durch die Lappen gehen, ahnen nur die wenigsten.


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Nicht nur die heimischen Fauna teilt sich in (vorwiegend) nachtaktive und tagaktive Lebewesen ein – diese natürliche Segmentierung zieht sich fast ohne Ausnahme auch über alle Kontinente und Klimazonen. Um passende Wildtiere zu recherchieren und sie am Tag oder in der Dämmerung bei ausreichender natürlicher Beleuchtung aus einer guten und bequemen Deckung abzulichten, muss man bereits ein wenig Vorbereitung investieren und Geduld und auch etwas Glück mitbringen. Ihre nachtaktive "Kollegen" hängen die entsprechende Latte aber noch deutlich höher.

Der Zufall ist bei der Nachtfotografie kein guter Begleiter

Um die andere Hälfte der nicht weniger fotogenen Wildtiere dann auch endlich mal vernünftig ablichten zu können, kann man sich natürlich mit der gleichen Vorbereitung, einer lichtstarken Optik und einem guten und weitreichenden Blitzgerät auf die Foto-Pirsch machen und auf einen günstigen Moment hoffen. Tatsächlich ist der Zufall in der Nacht kein wirklich hilfreicher Begleiter, denn bei Dunkelheit sind uns die Tiere sensorisch hoffnungslos überlegen. Bereits wenn wir auf dem Weg zum tagsüber ausgewählten Versteck tumb und lautstark mit unserer sperrigen Ausrüstung durchs Unterholz stolpern, lachen sich alle potentiellen "Models" leise ins Fäustchen und nehmen sich für diese Nachtschicht frei und direkt Reißaus. Eine andere Strategie muss also schleunigst her.

Die Auswahl der Foto-Location erfolgt nach Motivation der Tiere

Bevor wir uns nun mit der geeigneten bzw. notwendigen Technik beschäftigen, sollten wir eine funktionierende Vorgehensweise entwickeln, um bei Tageslicht lohnende Locations ausmachen, vorbereiten oder bereits einnehmen zu können. Tiere, die sich tagsüber versteckt halten, haben üblicherweise glasklare Motive, um sich im relativen Schutz der Dunkelheit auf den riskanten Weg nach Draußen zu machen: Beute/Nahrung oder Gesellschaft/Fortpflanzung. Dieses Wissen hilft bereits, uns entweder in der Nähe der Behausung oder an besonders präferierten Orten der Nahrungsaufnahme/Jagd/Paarung zu positionieren. Eine gute Idee ist es auch, an vermuteten oder klar identifizieren Wildwechseln etwas der bevorzugten Nahrung auszulegen. Nachdem wir also bereits eine grobe Vorstellung der möglichen Locations haben, kommen wir zur Technik, um die tatsächliche Eignung der Orte nachzuprüfen und nicht selbst stunden- oder nächtelang in der stockdunklen Wildnis auszuharren, im entscheidenden Moment vielleicht kurz einzunicken und mit leerer Speicherkarte heimkehren zu müssen.

Die Technik der "Fallen-Fotografie"

Obwohl ich mich persönlich wirklich gerne und auch ausgiebig in der freien Natur aufhalte, kann selbst ich als überzeugter "Naturbursche" nicht 10 oder 20 Nächte hintereinander hellwach mit der Kamera im Anschlag im Unterholz bei Wind und Wetter auf das "Goldene Foto" lauern. Geschweige denn alle potentielle Location im Vorwege bei Dunkelheit sorgfältig auskundschaften. Da wir uns ja glücklicherweise im 21. Jahrhundert befinden, können wir auf ausgereifte und bewährte Technik für beide Aufgaben zurückgreifen. Um die möglichen Kamera-Standorte besser einzugrenzen, habe ich mehrere preisgünstige Wildkameras zur Verfügung, die ich in der Vorbereitungsphase für ein Nachtshooting strategisch günstig platziere und zuhause in Ruhe auswerte. Die günstigen Kameras haben gleichfalls den Vorteil, dass selbst im Falle eines Diebstahls keine wirklich schmerzenden Löcher ins Portemonnaie gerissen werden. Steht dann der beste und erfolgversprechendste Ort fest, kommt neben der professionellen "Hauptkamera" auch weitere, spezielle Technik zum Einsatz:

Lichtschranke

Da man ja nicht ständig vor Ort sein kann oder will, setzt man eine geeignete Lichtschranke ein, um die Kamera und die benötigten Blitze vollautomatisch auszulösen. Die wettergeschützte und robuste Lichtschranke hat im Idealfall bereits beide "Augen" in einem Gehäuse, so dass nur noch der Reflektor platziert werden muss.

Blitzgeräte

Ob man ein oder mehrere Blitzgeräte benötigt, hängt stark von der Location, dem "Model" und der Witterung ab. Die Blitze müssen mehrere Eigenschaften aufweisen, um sich für die "Fallen-Fotografie" zu qualifizieren: Einerseits muss man den Standby-Modus dauerhaft deaktivieren können, weiterhin sollte der Akku ausdauernd genug sein, um auch über acht oder mehr Stunden die Blitzbereitschaft aufrechterhalten zu können. Schlussendlich müssen sich die Blitzgeräte bestenfalls auch über Funk synchronisieren und auslösen können. Die richtige und passende Positionierung einer oder mehrerer Blitze ist zugegebenermaßen mit einiger Tüftelarbeit verbunden, die bei jeder Location wieder von Neuem ansteht.

Kamera

Ehrlich gesagt habe ich die ersten Nächte ziemlich schlecht geschlafen, als meine teure und liebgewonnene Hauptkamera ganz alleine im dunklen Wald ausharren musste und nur mit einer wasserdichten und mit Tarnfarbe versehenen Box vor Witterung und Diebstahl geschützt war. Dieses mulmige Gefühl wird sich in den ersten Tagen und vielleicht sogar Wochen auch nicht verflüchtigen, denn die Chancen, diese Sorge durch die Freude über wirklich gelungene Fotos seltener nachtaktiver Wildtiere zu ersetzen, stehen nicht besonders gut.

Befestigungs- und Schutzmaterial, Akkus

Um alle Komponenten wirklich exakt und dauerhaft aufeinander auszurichten, sollte man Materialien einsetzen, die Wind, Wetter und der Neugierde der avisierten Wildtiere widerstehen und sich schnell und sicher montieren und demontieren lassen. Neben einem robusten und standfesten Outdoor-Stativ für die Kamera habe ich dafür die sehr flexiblen Monkey-Pods, stabiles Textilklebeband und ganz ordinäre durchsichtige Mülltüten verwendet. Eine mehr als ausreichende Anzahl von Akkus für alle eingesetzten Geräte sollte man sich ebenfalls anschaffen, um beim morgendlichen Besuch direkt sämtliche Energiespender auszutauschen und die Foto-Falle wieder "scharf machen" zu können.

Geduld und Glück bei der nächtlichen Tierfotografie

Relativ zum Schluss dieses Blogartikels muss ich Ihnen – aus gutem Grund – noch ein Geständnis machen: Selbst wenn Sie alle meine Tipps genau befolgt, sich die benötigte Technik beschafft und auch die beste Location recherchiert haben, benötigen Sie noch eine sehr große Portion Geduld – und auch ein wenig Glück. Geduld und Durchhaltevermögen nehmen neben einem Mindestmaß an Talent und einer halbwegs vernünftigen Ausrüstung bereits am Tag eigentlich den größten Platz im Fotorucksack von Wildlife-Fotografen ein. Und bei der Wildtierfotografie bei Nacht verdoppelt und verdreifacht sich der entsprechende Faktor noch.

Um auch nur ein paar einigermaßen brauchbare Fotos von einer winzigen Gelbhalsmaus zu erhalten, habe ich sehr viel Übung, Geld, Zeit und Geduld investieren müssen. Sie können sich nicht vorstellen, wie ich mich über das Foto dieses ertappt dreinblickenden Nagers gefreut habe. Natürlich reduziert sich mittlerweile der Recherche- und Positionierungsaufwand erheblich, auch stellen sich seit geraumer Zeit regelmäßig gute und sogar hervorragende Ergebnisse ein. Dieses Level hätte ich aber nicht erreicht, wenn ich bereits bei den ersten Fragen zur Technik der Lichtschranke oder der funktionierenden und wetterfesten Verbindung mit Kamera und Blitzen aufgegeben hätte. Lassen Sie sich also bitte nicht von Dutzenden oder sogar Hunderten von schwarzen Bildern ohne irgendein nachtaktives Wildtier demotivieren. Bauen Sie auch alle Elemente wieder stoisch auf, wenn der Dachs nicht vor, sondern nur hinter der Kamera agieren wollte und Ihnen jeden Morgen eine schreckliche Unordnung hinterlassen hat. Irgendwann erwischen Sie den Schlingel vorm Objektiv und halten ihn mit einem absolut niedlichen und vollkommen unschuldigen Blick fotografisch fest. Dieser Moment rechtfertigt meiner Meinung nach alle vorhergehenden Mühen.

Was meinen Sie? Gehört die Tierfotografie bei Nacht zu den Herausforderungen, die noch vor Ihnen liegen? Oder haben Sie schon einige spannende Anekdoten – oder sogar bezaubernde Bilder nachtaktiver Wildtiere für uns?

Ich freue mich schon sehr auf Ihre Kommentare, Bildbeispiele und Anregungen in unserer "Capture the Wildlife"-Gruppe auf Facebook!

Ihr Alexander Ahrenhold

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Fotograf: Alex Ahrenhold