Capture the Wildlife, Folge 29: Enten fotografieren

Durch viele Anregungen und Fragen an mich möchte ich einer konkreten Nachfrage nach einem Blogartikel zur Fotografie von Enten heute mit diesem Text entsprechen …


… ihn aber direkt auf das übergeordnete Thema "Wasservögel" ausdehnen. Denn was für Enten gilt, bezieht sich in den allermeisten Fällen auch auf andere Vogelarten, die an oder in Binnengewässern leben. Fangen wir aber trotzdem erst einmal mit der Ente an:

Heimische Entenarten fotografieren

Der Begriff "Ente" wird üblicherweise direkt mit den in Deutschland sehr verbreiteten Stockenten in Verbindung gebracht. Tatsächlich findet man diese sehr fotogenen Wasservögel quasi in und an jedem heimischen Gewässer – auch aufgrund ihres eher unkomplizierten Naturells eignen sich Stockenten sehr gut für Wildlife-Fotografie-Einsteiger und -Umsteiger. Wer sich dann mit Unterstützung der Stockente in diese besonders reizvolle fotografische Disziplin eingearbeitet hat, kann sich anschließend mit anderen Entenvögeln beschäftigen, die in allen Größen und Farbvarianten am Weiher um die Ecke auf einen warten. Die wohl unscheinbarste Art trägt einen vergleichsweise originellen Namen: Die Schnatterente ist etwas kleiner und schlanker als die Stockente und verfügt über ein sehr gut tarnendes Federkleid.

Tatsächlich schnattert sie auch nicht wesentlich stärker und lauter als die Stockente. Wer es lieber sehr farbenfroh mag, sollte sich eher mit der Mandarinente beschäftigen. Diese gehört zu den "Glanzenten", die sich durch ein metallisch schimmerndes Gefieder auszeichnen und aus verschiedenen Perspektiven mit immer wieder neuen Farbaspekten glänzen. Weiterhin findet man in der Gesellschaft der bereits erwähnten Arten auch immer wieder Spießenten, Löffelenten, Krickenten, Reiherenten oder Schellenten. Natürlich werden Tümpel, Teiche, Weiher und Seen in unseren Breitengraden nicht nur von Enten besiedelt, Säger, Lappentaucher, Rallen oder sogar Kormorane kann man dort ebenfalls gut "erwischen".

Vorbereitung

Wie bereits bekannt, bin ich ein Freund der sorgfältigen Vorbereitung, einer ausführlichen Recherche und der ganz gezielter Vorgehensweise. "Aufs Blaue" ziehe ich schon seit vielen Jahren nicht mehr los, dafür ist auch meine Zeit zu knapp. Passt die Saison und sieht das Wetter für die nächsten Tage vielversprechend aus, frische ich meine Kenntnisse der ausgewählten Entenart im Internet wieder ein wenig auf und checke auf Ornitho.de die aktuellen Meldungen. Auf dieser Plattform veröffentlichen regelmäßig und sehr zeitnah Vogelkundler ihre letzten Sichtungen.

Herangehensweisen

Um Enten vors Objektiv zu bekommen, gibt es zwei verschiedene Vorgehensweisen: Zum Einen kommt man üblicherweise sehr schnell zu brauchbaren oder sogar hervorragenden Bildern, wenn man sich einfach gut getarnt ans Ufer legt und wartet, bis eine Ente vorbeiwatschelt oder schwimmt. Ich bin nicht nur ein Fan der guten Vorbereitung, sondern auch der Augenhöhe-Perspektive – flach auf dem Bauch liegt es sich verständlicherweise im Sommer am besten und längsten. Angesichts der durchweg sehr entspannten Enten muss man aber erfahrungsgemäß nicht zu lange auf ein passendes Motiv warten. Erwischt man schwimmende Enten, kriegt man bei passender Perspektive und Brennweite vielleicht auch noch die Spiegelungen des gefiederten Models im Wasser mit aufs Bild. Sehr dankbare und unkomplizierte Locations sind die Stadtparks – auch und gerade in kleineren Gemeinden. Die Enten haben sich – leider – durchweg an das Füttern mit Weißbrot und Brötchen gewöhnt, was das Anlocken aber wiederum sehr vereinfacht. Meiner Erfahrung nach funktioniert das Locken mit Leckerbissen besonders gut bei Reiher- und Stockenten, manchmal auch bei sehr abgebrühten Mandarinenten. Scheuere Arten wie Spieß- oder Krickenten lassen sich auf diese Weise eher nicht als Models ködern. Kormorane und Säger bequemen sich üblicherweise auch nicht zu einem dargebotenen Brot, es sei denn, es wäre mit frischem Lachs belegt.

Die andere, etwas aufwendigere Methode der Annäherung stellt das amphibische Anpirschen dar. Hier kommt man nicht von der Ufer-, sondern von der Wasserseite. Diese Perspektive bietet einige Vorteile: Einerseits hat man weniger Foto-Konkurrenz am Ufer, andererseits kann man die Wasservögel formatfüllend mitten auf dem Teich oder See, sowie mit entsprechender Rücksicht auch im Schilfbereich aufnehmen.

Um sich schwimmend anzupirschen, baut man sich eine Plattform, die zumindest die Kamera und das Equipment sicher trägt und spannt über der ganzen Konstruktion ein Tarnzelt auf. Diese Lösung gefällt mir persönlich sehr gut, da auf diese Weise auch immer eine Perspektive auf Augenhöhen möglich ist. Um sich mit dieser Foto-Insel unerkannt anzunähern, sollte man aber ein wenig üben. Als Belohnung erhält man in der Regel wirklich einzigartige Einblicke in das Wasservogel-Leben und erwischt auch Momente, die sich vom Ufer einfach nicht ergeben. Nähert man sich dann geschickt und lautlos mit der Sonne im Rücken an, sind tolle Aufnahmen schon fast so gut wie sicher.

Haben Sie sich auch schon mal mit einer Schwimmplattform an Enten oder andere Wasservögel angenähert? Oder bevorzugen Sie die Ufer-Perspektive? Teilen Sie Ihre Fragen, Vorschläge oder Erfahrungen gerne mit uns!

Ihr Alexander Ahrenhold

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Fotograf: Alex Ahrenhold