Capture the Wildlife, Folge 27: High-Key-Fotografie

Natur- und Wildtierfotografen liegt meist die authentische und unverfälschte Wiedergabe dessen am Herzen, was sie mit ihren eigenen Augen "live und in Farbe" beobachten konnten. Aber hin und wieder erhält man deutlich interessantere Ergebnisse, wenn man ein wenig mit den Möglichkeiten der modernen Digitalkameras spielt …


Gleich vorweg möchte ich aber erst einmal noch ein klares Statement abgeben: Ich bin überhaupt kein Freund des maß- und grenzenlosen Composings und der nachträglichen "Aufhübschung" von ursprünglich ziemlich mittelmäßigen Fotos oder zufälliger Schnappschüsse. Der Anspruch, auch ohne die zahlreichen Segnungen der digitalen Postproduction vernünftige, handwerklich saubere und spannende Aufnahmen hinzubekommen, sollte gerade bei der Wildlife-Fotografie unbedingt aufrechterhalten werden. Nachdem wir uns jetzt soweit einig sind, können wir ganz unvoreingenommen unsere Kreativität spielen lassen. Eine interessante Variationsmöglichkeit, die bereits zu Zeiten der analogen "Photoapparate" verfügbar war, ist die High-Key-Fotografie.

High-Key-Fotografie

Die High-Key-Fotografie zeichnet sich durch eine starke, möglichst weiche Überbelichtung aus. In Kombination mit einem üblicherweise komplett weißen oder sehr hellen Hintergrund entstehen sehr "cleane" und grafische Aufnahmen. Im Studio schafft man sich die idealen Bedingungen selbst, in der Natur muss man schon mit dem erklärten Ziel, High-Key-taugliche Motive und Hintergründe zu finden, losziehen, um nicht auf glückliche Zufälle angewiesen zu sein. Daher auch wieder mein typischer Hinweis, sich klare Ziele zu setzen, im Vorwege gut zu recherchieren und nicht "aufs Geratewohl" in den nächsten Wald zu laufen.

Für die High-Key-Fotografie in der Natur eignen sich sehr triste und idealerweise auch überwiegend diesige Tage. Wenn der Himmel aus einem homogenen grauen Schleier zu bestehen scheint, herrschen beste Bedingungen für das kreative Spiel mit der bewussten Überbelichtung. Jetzt sollte man sich auch noch Motive oder Tiere suchen, die interessante Farbkontraste aufweisen, wie zum Beispiel einen Silberreiher – den sehr hellen Körper kann man hervorragend mit dem Hintergrund verschmelzen lassen, den markant gelben Schnabel und das dunkle Auge hingegen überbetonen. Oder man wählt winterliche Landschaften mit viel weißem Schnee und bedecktem Himmel.

Eine kleine Meise, die ansonsten vielleicht übersehen werden würde, könnte mit ihrem bunten Gefieder einen tollen Kontrapunkt zur Umgebung setzen. Diesen Effekt verstärkt man noch, indem man nicht so dicht hineinzoomt. Auch Albatrosse oder die weniger selten anzutreffenden Basstölpel verfügen dank der sehr scharfkantigen Zeichnung und den intensiven Farben ihres Gefieders und Gesichts über perfekte Eigenschaften, um für uns als High-Key-Models in den Recall zu kommen.

Ein paar technische Tipps noch kurz vor Ende dieses Blogbeitrags: Am besten arbeitet man – wie sonst auch – im manuellen Modus und stellt die Verschlusszeit so präzise ein, dass zumindest keine Bildelemente deutlich überstrahlt werden. Hier hilft das eingeblendete Histogramm sehr, auch die aktivierte Überbelichtungswarnung der Digitalkamera hält uns bezüglich der potentiell überstrahlten Bereiche gut im Bilde.

Haben Sie schon mit der High-Key-Technik experimentieren können? Gehören Sie eher zu den Fans der Low-Key-Fotografie oder halten Sie diese Variationsmöglichkeiten eher für "Spielerei"? Teilen Sie Ihre Meinung gerne mit der Wildlife Community und hinterlassen Sie Ihre Beiträge oder Fragen direkt in der Kommentarspalte!

Ihr Alexander Ahrenhold

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Fotograf: Alex Ahrenhold