Capture the Wildlife, Folge 24: Auto als Tarnversteck

Als Wildlife Fotograf müssen wir uns normalerweise der Natur anpassen, damit wir Tiere aus möglichst geringer Entfernung und mit der nötigen Rücksicht fotografieren können. Neben ausgeklügelter Tarnmaterialien können wir aber ab und an auch einen absoluten Alltagsgegenstand verwenden – unser Auto.

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Wildtiere sind an Autos gewöhnt

Üblicherweise sehen Natur- und Tierfotografen das Auto ausschließlich als Transportmittel, aber nicht als vergleichsweise bequemes Tarnversteck an. Wer mit seinem übermotorisierten Geländewagen und einem Wahnsinnstempo querfeldein auf eine scheue Gruppe Rehe zurast, wird die Vorteile für die unkomplizierte und rücksichtsvolle Annäherung auch nicht erkennen können. Tatsächlich haben sich aber sehr viele Wildtiere längst an das überall und in großen Mengen auftretende Kraftfahrzeug gewöhnt. Die "Gewöhnung" ist neben der Vermeidung akustischer, optischer oder olfaktorischer Reize nämlich auch eine wichtige und wirksame Unterdisziplin der Tarnung, die leider viel zu selten eingesetzt wird.

Autos jagen keine Tiere - Vorteil für Fotografen!

Wildtiere denken in wenigen und groben Kategorien. Die Unterteilung in "Gefährlich" oder "Ungefährlich" reicht oftmals bereits vollkommen aus, um zu überleben. Aus diesem Grund fahren auch die Safari-Jeeps in Afrika gerne mit aufgemalten Zebrastreifen herum, da diese markante Farb- und Formkombination von keinem Wildtier als echte Gefährdung wahrgenommen wird. In unseren Breitengraden ist diese Tarnbemalung überhaupt nicht mehr notwendig, da selbst seltene und "hinter den sieben Bergen" lebende Wildtiere Autos schon in allen Formen und Farben wahrgenommen und normalerweise unter "Ungefährlich" wegsortiert haben. Auch die leider immer noch zu häufig auftretenden Wildunfälle auf Straßen und Autobahnen ändern an dieser grundsätzlichen Kategorisierung nichts mehr: Rücksichtsvoll und bedacht fahrende Pkw und Lkw lösen bei Tieren in Europa mittlerweile keinen Fluchtinstinkt mehr aus.

Auf den Fahrstil kommt es an

Dass Tiere aber dann doch nicht seelenruhig dastehen und sich in aller Ausführlichkeit ablichten lassen, kann mit dem individuellen Fahrstil zu tun haben. Tiere reagieren vorwiegend auf ungewöhnliche Vorgänge, die sie nicht einschätzen können. Ein Auto, das aus einer kontinuierlichen und somit ungefährlichen Geschwindigkeit langsam abbremst und schließlich stehenbleibt, kann vom Tier entsprechend kategorisiert werden und dazu führen, dass es sich nicht fluchtartig, aber doch merklich entfernt. Manchmal reicht aber auch der kurze Moment, den das Tier überlegt, um ein vernünftiges Foto aufnehmen zu können. Mit diesem Wissen erscheint es angemessener, unabhängig von einer konkreten Sichtung an einem Feld oder einer Lichtung (natürlich STVO-gemäß) zu parken und mit gezückter und "schussbereiter" Kamera auf ein lohnendes Motiv zu warten. Bekanntermaßen bin ich ein leidenschaftlicher Verfechter der "Augenhöhen"-Perspektive, die bei den meisten Tierarten unserer Breiten motorisiert leider nur mit einem Ferrari oder Maserati möglich wäre. Aktuell investiere ich mein Geld aber lieber in meine Fotoausrüstung und nicht in Flunder-förmige Sportwagen.

Kameraposition aus dem Auto: Großer Vorteil bei kleinen Vögeln

Kleinere Vögel wie das Braunkehlchen halten sich üblicherweise nicht in bodennahen Perspektiven auf, diese sehr fotogenen Sperlingsvögel erwischt man gerne auf Ästen, Zaunpfählen oder anderen, leicht erhöhten "Aussichtspunkten". Hier passt die Kameraposition auf Höhe eines handelsüblichen Autofensters wieder ziemlich gut. Ich stelle mich gerne bei gutem Licht an ein nahes und bei den Braunkehlchen beliebtes Rapsfeld und warte einfach ein paar Minuten. Üblicherweise zeigen sich nach einiger Zeit ein paar fröhliche Artgenossen – ansonsten rolle ich vorsichtig und behutsam zu einem der umliegenden Ansitze vor und versuche dort mein Glück. Im Auto lässt sich sommerliche Wartezeit durchaus angenehmer verbringen als im hohen Gras und unter der Lufthoheit von Mücken oder Bremsen.

Nutzen auch Sie Ihr Auto als rollendes Tarnversteck zur Tierfotografie?

Oder haben Sie diese Möglichkeit noch gar nicht in Betracht gezogen? Teilen Sie doch Ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Fragen mit der Wildlife-Community, ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Ihr Alexander Ahrenhold

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Fotograf: Alex Ahrenhold