Capture the Wildlife, Folge 21: Stativ und Kabelauslöser

Findet sich unter Ihren Lieblings-Tierbildern auch nur ein einziges, das deutliche Unschärfen im Hauptmotiv aufweist? Wohl eher nicht – hier liegt daher auch eine der größten Herausforderungen der Wildlife-Fotografie. Passend dazu gebe ich heute mal meine persönlichen Tipps zur Stabilisierung der Kamera weiter.

In unserer "Capture the Wildlife"-Gruppe auf Facebook können Sie sich mit dem Profi-Fotografen Alexander Ahrenhold und anderen Usern über das Thema Wildlife-Fotografie austauschen.
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Diese rein rhetorische Fragestellung beschreibt tatsächlich einen der größten Frustfaktoren in der Foto-Pirsch auf wilde, seltene, scheue und meist auch sehr flinke Tiere. Ich kenne einige sehr talentierte und ursprünglich angehende Wildlife-Fotografen, die nach der X-ten komplett verwackelten oder unangenehm unscharfen Serie Gehäuse und Objektiv ins Korn geworfen und sich lieber der Still- oder Studiofotografie gewidmet haben. Ehrlich gesagt gehört zu dieser fotografischen Disziplin viel dickes Fell, ähnlich unserer Lieblingsmotive im Winter  – und natürlich passende Ausrüstung.

Schwere und lange Brennweiten …

Wer auf scheue und schnelle Tiere ansitzt, sollte mit einem vergleichsweise lichtstarken Objektiv mit langer bis sehr langer Brennweite ausgerüstet sein. Entsprechende Modelle reißen nicht nur ordentliche Löcher ins Shooting-Budget, sondern bringen in der Profi-Version nicht selten etliche Kg auf die Waage. Diese Monster müssen erst einmal über längere Zeit ruhig gehalten werden, die anstrengende Fokussierung und Verfolgung flüchtender Tiere lassen wir dabei mal komplett außen vor. Um "aus der Hüfte zu schießen", benötigt man viel Übung, eine ruhige Hand, noch mehr Übung und zumindest einen vernünftigen Stabilisator des Objektivs. Eine der wichtigsten fotografischen Faustformeln besagt, dass wir die Brennweite des Objektivs als Verschlusszeit benötigen, um noch einigermaßen scharfe Bilder aus der Hand machen zu können. Nehmen wir direkt mal ein kapitales 600er-Profimodell, dann müssen wir mit einer 1/600 Sekunde belichten können – in der Praxis kaum realisierbar, hervorragende Stabilisatoren lassen ungefähr Verschlusszeiten von 1/200 bei 600 mm zu, weniger als ein Drittel der erforderlichen Geschwindigkeit. Und nicht zu vergessen: Der dazugehörige ISO-Wert wirkt sich bestimmt auch nicht positiv auf die endgültige Bildqualität aus.

… sowie hohe Auflösungen erfordern …

Dazu kommt bei modernen Profi-Kameras noch die ungeheure Informationstiefe der geschossenen Bilder hinzu. Bei einer Auflösung von 40 bis 50 Megapixeln kann man sich fast bis zur Bewusstlosigkeit ins Motiv hineinzoomen – und bei einer mindestens vierstelligen Vergrößerung zahlreiche Unschärfen glasklar erkennen, die im Sucher noch so schön und knackescharf aussahen. Eine mögliche Antwort liegt darin, sich dem Pixel-Wettrüsten nicht anzuschließen, wenn man nicht gerade ständig LKW-Planen oder Baugerüstabdeckungen mit seinen Bildern verzieren muss. Macht man den allgemeinen Pixel-Hype aber notgedrungen mit, müssen wir uns wohl oder übel nach Hilfsmitteln umsehen:

… nicht selten ein Stativ …

Tatsächlich arbeiten noch nicht so viele Wildlife-Fotografen ständig mit einem Mono- oder Tripod, als man gemeinhin annehmen würde. Einige Gegner beklagen die fehlende Flexibilität, wenn die Kamera fest auf einer Höhe ruht oder sogar in der Horizontalen festgestellt wurde. Natürlich gibt es auch bei mir Situationen, die eine komplette Fixierung erfordern. Üblicherweise setze ich aber auf Gimbals oder Videoneiger, um selbst ausufernde Gehäuse-Objektiv-Kombinationen möglichst frei und leichtgängig in alle Himmelsrichtungen und Höhen schwenken zu können. Die dazu passenden Stative suche ich aus gutem Grund mit mehr als ausreichenden Tragfähigkeitsreserven aus – gerne mehr als das Dreifache der eigentlich benötigten Kapazität. Meine Erfahrung hat mich nämlich gelehrt, dass man bei dieser Ratio noch wirklich unbeschwert und elegant schwenken und Fokussieren kann. Montiere ich also eine Kamera, die mit Objektiv und Filtern um die 3 kg wiegt, muss das Stativ (und natürlich auch der Stativkopf) mindestens 9, lieber 12 kg stemmen können. Darüber hinaus bevorzuge ich Dreibein-Modelle, die sich mit wenigen Handgriffen in ein Einbeinstativ verwandeln lassen. Ein Monopod nimmt einem das Gewicht und die vertikale Positionierung ab, gewährt dafür aber viel horizontale Bewegungsfreiheit.

… und einen Kabelauslöser.

Wann immer es sich realisieren lässt, nutze ich eine Kabelfernbedienung. Die berührungsfreie Auslösung sorgt dann noch für die Extraportion Schärfe, da ein ungewollter Rempler und selbst minimale Vibrationen zuverlässig vermieden werden. Das Kabel leitet das Signal auch noch einen Hauch schneller als die ebenfalls sehr zuverlässigen Funksender, hier schöpfe ich jedes mögliche Potential voll aus.

Schießen Sie wie John Wayne aus der Hüfte, nutzen Sie lieber High-End-Dreibein-Stative oder bewegen Sie sich eher zwischen diesen Extremen? Teilen Sie uns gerne Ihre favorisierten Stabilisierungsmethoden mit oder stellen Sie mir und der Community Ihre diesbezüglichen Fragen – ich freue mich schon wieder sehr auf den Austausch!

Ihr Alexander Ahrenhold

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Fotograf: Alex Ahrenhold