Capture the Wildlife, Folge 19: Bodennahes fotografieren

Als Wildlife-Fotograf schätze ich besonders die Objektiv-Perspektive auf Augenhöhe – eine sehr respektvolle Annäherungsmethode, die den Menschen weder optisch noch philosophisch über das Tier stellt. Für diese Kamerahöhe eignet sich hervorragend die bodennahe Fotografie, deren Vorteile ich heute weiter erläutern möchte. 

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Zugegeben, einige spezielle Wildtierarten lassen sich aufgrund ihrer eigenen Größe oder der enormen Fluchtdistanz nur sehr schwer tatsächlich auf Augenhöhe ablichten. Hier müssen wir uns nicht selten auch auf Hochsitzen positionieren, um überhaupt einen brauchbaren Blick durch unsere Teleobjektive auf die scheuen "Models" richten zu können. Manchmal muss man bei extremen Entfernungen mit einem deutlich erhöhten Kamerastandort sogar die Erdkrümmung ausgleichen. In vielen anderen Fällen fahren wir aber mit einer niedrigeren Perspektive besser. In den westeuropäischen Breitengraden reicht die Vielzahl der wildlebenden Tiere ja mit ihrer Körpergröße auch eher nicht über die Länge eines Unterarms hinaus. 

Canon EOS 7D | 235 mm | Blende 6.3 | 1/160s | ISO 640 |

Bodennahes Fotografieren – Definition

Tatsächlich muss man nicht mit Kameragehäuse und teurem Objektiv auf dem Bauch ausgestreckt tief im Schlamm liegen, um "nach der reinen Lehre" wirklich bodennah zu fotografieren. Von einer moderaten Stativhöhe, die ohne Verlängerungen auskommt und eine eigene, bequeme Augenhöhe erlaubt bis zum Einsatz einer um 180 Grad gedrehten oder "verkehrt herum" eingesetzten Mittelsäule (übrigens ein besonderes Feature bei zahlreichen Rollei-Stativen) reicht meiner persönlichen Definition nach der Begriff der bodennahen Perspektive. Aber wie auch alle anderen fotografischen Regeln, Methoden, Definitionen oder Weisheiten sollte man diese Vorgehensweise nicht zu dogmatisch sehen – gut ist, was funktioniert. Kommen wir nun zur praktischen Umsetzung:

Nikon D810 | 600 mm | Blende 7.1 | 1/125s | ISO 800 |

Vorteile in der Praxis

Wie bereits erwähnt, können wir durch die bodennahe Perspektive eine möglichst waagerechte und daher authentische Augenhöhe zum Motiv einnehmen. Die Augen gelten als das Tor zur Seele, dieser Bereich des menschlichen und tierischen Gesichts sollte daher immer möglichst scharf abgelichtet werden, um eine Verbindung zum Motiv aufbauen zu können. Befindet man sich zu tief oder zu hoch und möchte den direkten Blick einfangen, liegt die Pupille nicht in der Mitte des Augapfels und erzeugt einen erschreckten, angespannten oder ängstlichen Eindruck. Dies wollen wir ja gerne vermeiden. Nehmen wir bei eher kleinen Tieren dann eine sehr tiefe Perspektive ein, können wir auch schön Unschärfen im Motivvordergrund mit integrieren und dem ganzen Bild etwas mehr Mystik verleihen. Ein weiterer Vorteil des liegenden Fotografierens: Man wird aufgrund der geringen Höhe nicht so schnell gesehen – insbesondere, wenn man eine gute und der jeweiligen Saison angepasste Tarnbekleidung trägt. Zudem lassen sich gerade schwere Objektive mit sehr langen Brennweiten auf mal einfach auf dem Boden abstützen, wenn man ohne Stativ arbeiten will oder muss.

Nikon D810 | 300 mm | Blende 7.1 | 1/320s | ISO 800 |

Fazit

Das bodennahe Fotografieren eröffnet uns eine bequeme und respektvolle Kameraperspektive, um die Wildtiere möglichst würdevoll aufzunehmen und die Betrachter optisch nicht zu "erschlagen". Je nach Vorhaben sollte man dafür ein Stativ wählen, das sich auch entsprechend niedrig einstellen lässt – oder man stützt eben das Objektiv behutsam auf dem Boden ab.  

Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser Kameraperspektive gemacht? Oder bevorzugen Sie eine andere Vorgehensweise? Ich bin sehr gespannt auf Ihre Meinungen – und natürlich die dazugehörigen "Beweisfotos".

 

Ihr Alexander Ahrenhold

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Fotograf: Alex Ahrenhold